Collection: Raster Family Letters
Author: Anna Oppenheim
Recipient:
Description: Letter from Anna Oppenheim to her daughter, Margarethe Oppenheim Raster, and son-in-law, Hermann Raster, July 14, 1882.
Original text
Dessau 14/7. 82.
Endlich nach vier Wochen wieder einen Brief von Dir, mein Gretchen; Du schreibst jetzt immer so selten, daß ich mich oft beunruhige und mir allerhand Schlimmes vorstelle. Wie freue ich mich, daß Ihr Alle wohl und munter seid und hoffentlich wird der Ausflug, den Ihr jetzt macht, Euch recht viel Vergnügen bringen. Die Bequemlichkeiten, die Ihr, wie Du mirs beschreibst, in den Geschäften selbst auf dem Lande habt, sind wirklich staunenswerth, bei uns hier findet man in solchem ländlichen Aufenthalte höchstens in einem Bauernhause ein Unterkommen und fragt nur nicht wie!! Gertrud schrieb mir gestern, daß sie Annchen mit Hugo nach Tetschen zu Lindemanns geschickt habe; ich habe mich sehr gewundert, daß sie sich von dem Kinde trennt; es ist aber nur eine kleine
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Tour, denn morgen ist sie schon wieder zurück. Nächste Woche denke ich, sie nun endlich herkommen zu lassen, Bückner meint, es könne ohne jede Besorgniß geschehen, der Gesundheitszustand habe sich jetzt bedeutend gebessert. - Heute schreibe ich Dir in einer sehr trüben Stimmung, mein Gretchen, Onkel Adolph und ich kommen eben von einem recht traurigen Gange zurück; wir Alle haben wieder einen lieben, alten Freund ver= loren + eben zur Gruft begleitet. Denke nur, Hagelberg ist Dienstag ganz plötzlich in Marienbad gestorben; frisch und munter und wohlgemuth steht er vom Tische auf und fällt todt um. Probst ist sofort nach erhaltener Depesche hin und hat die Leiche hergeholt und eben ist er hier begraben. Es thut mir gar zu weh, denn er war mein ältester Jugendfreund
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und die Freundschaft hat sich ja auch bis ins Alter erhalten. Ich weiß, daß Ihr ihn auch sehr bedauern werdet, denn er war ja Euch auch ein sehr guter Freund. Der Todesfall erregt hier allgemeine Theilnahme, denn Bernhard war wirklich ein sehr wohlthätiger Mensch, der für Arme immer offene Hand hatte und überhaupt in allen Kreisen sehr beliebt war. Welche Lücke hat unser Freun= deskreis seit Oktober erhalten! Ludewig, Öhlmann, Lange, Hagelberg und ärger als todt die Köppe! Du hast alle die guten Bekannten noch gesehen, doch wenn Raster einmal kommt, findet er von allen alten Freunden keinen einzigen mehr. So ists wenn man alt wird, dann geht Einer nach dem Andern fort und schließlich steht man allein. - Wenn nur erst einmal die traurigen Ereignisse aufhörten und einmal wieder freudige kämen, so wie voriges Jahr Deine Ankunft
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das war doch zu schön und das hat man wieder einmal, wenn auch nur eine kurze Zeit, Freude gehabt. Daß Du mit Eddys Fortschritten nicht zufrieden bist, thut mir leid, mein Gretchen, sei nur nicht streng und so heftig mit ihm; ich bin überzeugt, das Kind thut sein Möglichstes und er wird schon noch etwas Tüchtiges lernen. Jetzt ist er noch durch= aus nicht kräftig und muß geschont werden und wenn er erst ganz gesund ist, dann wird er auch mehr Ausdauer zum Arbeiten haben; laßt mir den Jungen nur in Ruhe und quält ihn nicht! Von Fränkels habe ich nur einen Brief gehabt und Dir wol [sic] den Inhalt schon mitgetheilt; sie fühlen sich sehr wohl und es scheint ihnen doch sehr gut zu gehen. Tante Luise hat mir vorige Woche geschrieben, daß sie so lange keine Nachricht von Euch habe; bist Du ihr denn einen Brief schuldig? Das Kochbuch scheint sich doch nun endlich seinem Ende zu nahen und ich wünschte ihr für die unendliche Mühe nur einen recht glänzenden Erfolg; ich wür= de mich sehr freuen, denn sie hat sich redlich damit abgeplagt, und wäre bitter getäuscht, wenns nun nicht viel klingende Münze einbrächte.
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Hoffentlich, mein Herz, machst Du nicht wieder so lange Pausen und ich erhalte recht bald Brief von Dir + nun lebt wohl und seid Alle recht herzlich gegrüßt. Deine treue Mutter
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Letter metadata





