Collection: Marie Hansen Taylor Correspondence
Author: Marie Hansen (Taylor)
Recipient: Lina Braun (Hansen)
Description: Letter from Marie Taylor to Lina Hansen, April 29, 1872.
Original text
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Cedarcroft, April 29. 1872
Meine liebste Mutter!
Diesmal schreibe ich etwas eher, um Dir noch schnell zu sagen, daß wir schon am 6. Juni von [roman:] N. Y. [/roman] abreisen werden, so Gott will, Bayard braucht nämlich, nach späterem Arrangement, nur den einen der beiden Bände [strikethrough:] fertig [/strikethrough] vorläufig fertig zu machen, er schrieb so bald er hiervon benachrichtigt war, an die Dampfschiffahrts-Gesellschaft u. frug an ob wir noch Platz auf der [roman:] Westphalia [/roman] die 8 Tage früher als die [roman:] Holsatia [/roman] geht, bekommen könnten. Die Antwort lautete, daß man uns jedenfalls Platz schaffen u. Im Notfall die Kajüte eines Schiffsoffiziers geben würde. Wir danken dies wahrschein- lich unserm Freund, Kapitän Schwenzen, welcher [insertion:] auf [/insertion] der [roman:] W.[/roman] kommandiert u. eben mit ihr von [roman:] N. Y. [/roman] absegelte. Wir sind ja schon 2 mal mit ihm gefahren, u. über=dies aß er im März noch
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bei uns, in [roman:] N. Y. [/roman], zu Mittag, u. sprach den Wunsch aus, daß wir wieder mit ihm hinüberreisen möchten. Wir alle drei sind heilfroh über diese Veränderung, u. Bayard beklagt nur, daß er trotzdem doch wahrscheinlich weder Spargelsuppe, noch Maitrank bekommen wird, wenn er nach Gotha kommt. Ich weiß aber, daß wenn es eine Möglichkeit ist ihm diese Genüsse zu jener zukünftigen Zeit zu verschaffen, Du es thun wirst. Ich lache ihn recht tüchtig darüber aus. Kein Deutscher könnte kläglicher thun, wenn er die gewohnte Kost der Heimath entbehren muß.
Lilian u. ich kamen vorge=stern von Phila zurück, nach 3tägiger Abwesenheit. Noch am selbige Abend erhielten wir Besuch, 2 Personen, welcher bis heute Mittag blieb. So ist also in meiner nothwen=digen Arbeit eine ganz ordentliche Pause eingetreten. Nun muß ich mich um so ernstlicher
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wieder daranmachen. Hier im Hause geht alles durcheinander - Reinmachen, Einpacken, Umziehen, Auskramen; dabei noch verschiedene Handwerker welche das eine oder andere ausbessern. Noch giebt es nicht viel für mich zu thun u. ich muß nun von früh bis spät bei meiner Aufgabe bleiben um zur rechten Zeit fertig zu werden. Morgen über 2 Wochen müssen wir fort von hier. Die letzten Tage, wenn alles verpackt ist, werden wir recht öde finden; doch liegt ja so viel Schönes in Aussicht. Wie freuen wir uns schon Euch wiederzusehen.
Den Tag nachdem ich meinen letzten Brief an Dich abge=sandt, kam Dein lieber Brief an: - vielen Dank dafür. Wenn Du diesen erhältst u. mir sogleich mit einem paar Zeilen antwortest, so werde ich sie wohl eben noch in [roman:] N. Y. [/roman] erhalten.
Verzeihe, daß ich diesen,
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ohnehin flüchtigen Brief, schon jetzt schließe. Ich bin jedoch sehr müde u. muß mich zur Ruhe legen, da ich meine Kräfte jetzt so viel wie möglich auf=sparen sollte. Grüße all die Lieben, den geliebten Vater obenan, herzlichst. Bayard u. Lilian senden Euch Allen auch die besten Grüße.
Mit inniger Liebe
Deine Tochter
Marie.
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