Collection: Crede Family Papers
Author: Curt Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Hermann Crede from his uncle, Curt Crede, October 28, 1885.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] am 28. [roman:] October [/roman] 1885.
Mein lieber Hermann!
Hoch erfreut hat uns die Nachricht Deiner glücklichen Landung, wie Deiner sonstiger Reise!_ Nun wirst Du Dich bereits wieder in Deine Altagsbeschäftigung eingewöhnt haben und glücklich im Kreise Deiner Familie wirthschaften._ Ja es ist uns allen wie ein schöner Traum, daß Du hier warst, und uns durch Deine Liebe und Güte erfreudest. Das Kleeblatt, das so treu zusammen hielt, es ist zerrissen und blühet [insertion:] der [/insertion] [strikethrough:] sein [/strikethrough] Verlust seiner Stelle in unseren Herze nach!_ Ja, so ist das Leben!_ Kaum haben sich Menschen gefunden, so müssen sie wieder getrennt werden, um dem Herzen den nöthigen Stoß beizubringen.- Nun wir gedenken Deiner recht oft und lassen alles miteinander Verlebte an unserem Geiste vorüber ziehen und so beschäftigen wir uns doch mit Dir, wenn auch nur indirect._ Meine Frau und ich besuchen Deine l. Eltern und Rösel, nach Verabredung, an jedem Donnerstage zum Spielchen, wobei es häufig vorkommt, daß Onkel Curt nach [roman:] Chicago [/roman] verreißen muß, ohne sobald zurück zu kehren. Mit der Zeit wird aber die Reise kostspielich und so habe ich mir denn vorgenommen, bei nächster Ge
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Gelegenheit einmal bei Dir vorzusprechen um zu sehen ob Du Dich wieder gehörig eingelebt hast und vor Allem, was die Pfirsiche machen, ob sie wohl gut angesetzt haben werden, damit ich meinen großen Durst darauf, nämlich zur bewußten [illegible], rechtzeitig und würdig vorbereite. Ja ja mein guter Hermanns lache nicht es ist schauerlicher Ernst!_ Röselchen freut sich auch schon drauf, mit bei der Partie zu sein. Sollte das nun wahr werden, daß Röselchen eines schönen Abends auch nach [roman:] Chicago [/roman] verreißen müßte, dann glaube ich auch ganz sicher, daß sie ihren alten Onkel Curt zu Dir begleitet und so wird dann das alte liebe Kleeblättchen wieder einmal beisammen sein und prosit sagen. Nun aber rathe ich Dir alter Germane, siehe Deine Weinberge nach, [illegible] uns nicht die verteufelte Reblaus einen bösen Streich spielen zimmere Faß auf Faß, damit das edele Naß nicht umsonst der schützenden Fülle entbehre._ Ich werde meinen Durst von jetzt ab gehorig kultiviren und was in dieser Beziehung unser Rösel vermag, das lieber Freund brauche ich Dir wohl nicht mehr auszumahlen. Ihr schöner Zug am Mund ist immer noch verhanden, nur dies eine will ich noch erwähnen. Nun aber aller Scherz bei Seite. Du hast mich noch nach Deiner Abreise durch Rösel beschenken lassen lieber [roman:] Hermann [/roman], das hättest Du aber unterlassen sollen mein Junge._ Nun wir wissen wie es gemeint ist, daß es gern nur aus Liebe gegeben wurde!_ Meine Frau, Dein Täufelchen zum glücke nicht, aber doch Dein Täufling, und ich, sagen Dir also dafür unseren innigsten Dank und gedenken Deiner dabei so oft Du Dein Licht leuchten lässest. Auch danken wir Dir für alle die Liebe und Aufmerksamkeiten, welche Du uns bei Deinem Hiersein entgegenbrachtest. Es war eine schöne Zeit, die wir nicht sobald vergessen werden. Wir hoffen und trösten uns mit dem Gedanken, daß wir uns nicht das letzte Mal gesehen haben werden. Zu dieser Hoffnung rufen meine Frau und ich Dir ein herzliches und treues Lebewohl zu. Wir grüßen Dich mit Deiner lieben Frau & Söhnen recht herzlich!_ Dein treuer Onkel Curt.
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