Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, January 3, 1884.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] d 3t. [roman:] Januar 1884. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Zu dem begonnenen neuen Jahre [underline:] Euch Allen [/underline] unsere herzlichsten Glückwünsche_. Mit vieler Freude entnehmen wir aus Deinem l. Schreiben vom [roman:] 23 / v. J. [/roman], daß Ihr sämtlich Euch einer guten Gesundheit erfreuet u. es Euch wohl ergehet und wünschen von Herzen, daß dies auch ferner der Fall sein möge._ Bei uns geht es noch um Nichts besser-, gegen meinen Rheumatismus in Händen u. Füßen ist nichts mehr zu brauchen, das Gehen wird mir recht beschwerlich u. meine Hände sind so steif, daß ich das Schreiben werde bald aufgeben müssen_. Deine gute Mutter hat wegen Blasenleiden u. Hemoriten[1] - wozu sich jetzt auch noch Husten gesellt hat, recht viel Schmerzen zu ertragen, doch erträgt sie ihr Leiden mit großer Geduld. [roman:] Therese [/roman] ist auch schwächlich, doch versiehet
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siehet sie den Haushalt sehr gut u. ist auf unserer Pflege recht bedacht. Die kleine [roman:] Adele [/roman] befindet sich recht wohl, ist ein recht nettes Kind u. wird nächste Ostern zur Schule gebracht_. Der Familie [roman:] Stock [/roman], welche uns vor Weihnachten mit ihrem Besuch erfreute und bis gestern bei uns verweilte, geht es gut-, nur gefallen sie sich in [roman:] Homberg [/roman] sehr schlecht u. wünschen eine baldige Versetzung hier her._ Deiner Tante [roman:] Luise [/roman] geht es _ abgesehen von Altersschwäche_ gut. Am [roman:] 12. October v. J. [/roman] haben wir unsere neue Wohnung bezogen, sie enthält 7 Pieden der 1. Etage, ist bequem, freundlich und gesund aber mit 180 Thaler jährlich zu theuer-, hinter dem Hause befindet sich ein ziemlich großer Garten in welchem wir so viel Land besitzen, daß wir unser nötiges Gemüße ziehen können, was recht angenehm ist, eine weitere Annehmlichkeit ist ein großer Bleichplatz beim Hause._ Gleich den Wohnungen bleiben auch alle Lebensmittel sehr theuer u. erhöhen sich die Steuern von Jahr zu Jahr. Das Militair nimmt 2/3 der ganzen StaatsEinnahmen vorn weg_. Bei Euch ist's anders!
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Mit Vergnügen entnehme ich aus Deinem Schreiben daß sich Carl in seiner Stellung sehr gut gefällt u. wünschen ich von Herzen, daß dies für die Dauer der Fall sein möge_. Daß [roman:] John [/roman]_ im Alter von 22 Jahren_ noch als [underline:] Lehrling [/underline] in ein Geschäft gehen will, überrascht mich außerordentlich, umso mehr, da er _ wie Du schreibst _ ein tüchtiger Farmer ist_; gefällt er sich zu Hause nicht mehr_? Es mag ohne Zweifel recht gut seien, neben Farmerei noch ein Geschäft treiben zu können, doch meine ich, daß die Erlernung eines solchen [underline:] früher [/underline] begonnen werden müsse?_ Du wirst sicher recht wohl thun, Deinem Vorsatz getreu zu bleiben, nach Ablauf Deiner Dienstzeit, eine so verantwortliche Stellung, welche außerdem noch mit körperlichen Strapazen verbunden ist, nicht wieder anzunehmen._ Was nützt ein augenblicklicher pecunärer Vortheil, wenn Gesundheit _ das edelste Gut gefährdet ist. Hoffentlich kannst Du auch ohne Diensteinkommen leben_. Daß sich die Verhältnisse auch bei Euch sich so sehr verändert haben u. Aufwand u. Luxus an der TagesOrdnung sind, hätte ich kaum gedacht u. ist sehr zu beklagen, daß einfaches solides Leben immer mehr scheiden, wodurch die Menschen wahrlich nicht glücklicher werden.
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Herzliche Grüße von Deiner g. Mutter, die sich zum Schreiben augenblicklich zu schwach fühlt.
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Wie ich von [roman:] Wilhelm [/roman] höre, bildet sich seine Tochter [roman:] Minna [/roman] zur Lehrerin aus u. hat schon mit einer Schule begonnen, möge sie Glück in ihrem Beruf finden. Auffallend, daß das Schulwesen dort wohl so weit zurück ist, das die Unterrichtszeit sich nur auf die Wintermonate erstreckt._ Die Krankheit von [roman:] Wilhs. [/roman] Frau hat uns recht besorgt gemacht, gewiß wäre es ein Unglück für ihn gewesen sie zu verlieren. Er scheint sich glücklich zu fühlen u. ein hinreichendes Auskommen zu haben. Lieber [roman:] Hermann [/roman], Du hattest uns wieder recht lange auf eine Nachricht von Dir warten lassen u. befürchteten wir, daß Du etwa wieder krank geworden sein könntest_, Du würdest uns sehr erfreuen, wenn Du [underline:] öfters [/underline] uns Mittheilung von Eurem Ergehen machtest, denn wer weiß, wie lange dies noch stattfinden kann._ Der Schluß Deines Schreibens lautet: "hofft auf ein Wiedersehen" _. wie ist dies gemeint? [underline:] Diesseits? [/roman] oder [underline:] Jenseits [/underline]?
Möchte es uns vergönnt sein, Dich bei unseren Lebzeiten noch einmal bei uns zu sehen!_ Zum Schluß Deiner lieben Frau, Dir u. den Kindern herzliche Grüße u. die besten Wünsche für Euer Aller Wohlergehen. Behüt Euch Gott! Dein treuer Vater.
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Wie sauer mir das Schreiben wird, kannst Du an meiner Schrift wohl sehn!
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Notes
- ^ "Hemoriten" = "Hämorrhoiden"
Letter metadata




