Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his son, Hermann Crede, March 9, 1883.
Original text
[roman:] Wahlershausen [/roman] d [roman:] 9t. März 1883 [/roman].
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Deinen l. Brief vom 10t. v. M. / der mit dem meinigen vom 5. desselben gekreuzt hat/ - haben wir rechtzeitig erhalten u. mit vieler Freude daraus ersehen, daß sich Dein GesundheitsZustand sehr gebessert hat. Wir waren Deinetwegen recht in Sorge, da wir so lange nichts von Dir hörten, bis wir dann am 20. Oktober v. J. ein beruhigendes Schreiben von Deiner lieben Frau erhielten, was ich auch alsbald beantwortete. Danach hoffen wir auch bald von Dir zu hören, unsere Hoffnung wurde aber erst Ende v. M. erfüllt, bis wohin wir viel Sorge um Dich hatten, weil wir befürchteten, daß Du wieder krank sein möchtest_. Bitte gib uns öfter Nachricht, es ist ja unsere einzige Freude, wenn wir von Dir u. [roman:] Wilhelm [/roman] hören, daß es Euch gut geht_. Bei uns geht es noch den alten Gang-, mein Leiden in Händen u. Füßen, verschlimmert sich wohl eher, als es sich bessert, ich bin seit Septbr. v. J.
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v. J. nicht aus dem Hause gekommen. Unser Arzt hält unsere jetzige Wohnung -, obgleich HochPaterre_ für meinen Gesundheitszustand nicht zuträglich u. werden wir deshalb, so leid es mir ist, die schöne Gegend zu verlassen, Anfangs [roman:] October d. J. [/roman], wieder nach Kassel ziehen, was auch für die kleine [roman:] Adele [/roman] gut ist, die dann der Schule zugebracht wird._ Mit Vergnügen vernehme ich, daß [roman:] Carl [/roman] in einer gesunden Gegend / [roman:] Colorado [/roman] / eine angenehme Stellung gefunden hat u. soll es mich freuen, wenn es ihm ferner daselbst gefallen wird._ Wie weit ist jener Ort von Euch entfernt? u. was ist es für ein Geschäft in dem er sich befindet? Auch möchte ich wohl von der Art u. dem Resultat des Jagdzugs hören, den [roman:] Carl [/roman] mitgemacht hat._ Es ist mir recht erfreulich, daß Ihr eine gute Ernte gemacht habt, wodurch wohl der bedeutende Schaden des Wassers etwas gemildert wird, auch ist wohl die Düngung des Bodens, welche durch die Ueberschwemmung herbeigeführt werden,
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werden, nicht zu unterschätzen_. Du hast wohl schon vor längst künstliche Düngung Deiner Ländereien einführen müssen? Es wundert mich, daß der Winter bei Euch so streng gewesen, wir haben nur hin und wieder einige Tage 6 bis 7 ° M. gehabt, wenig Schnee aber viel Regen. Ich sehne mich recht nach dem Frühling, wo ich hoffe wieder ins Freie zu kommen-, denn ich bin das ewige Stubenhocken müde u. meine Augen sind vom vielen Lesen_ das einzige, was ich betreiben kann, sehr angegriffen_. Es ist recht ehrenvoll für Dich, daß Du wieder für Deine Stellung gewählt worden, nur will ich sehr wünschen, daß es nicht auf Kosten Deiner Gesundheit geschehen sein möchte._ Die Hoffnung Deines Besuchs bei uns, wird ja nun wohl gänzlich schwinden? _ Daß [roman:] John [/roman] ein tüchtiger Farmer geworden, ist recht erfreulich, die Farmerei ist das schönste Geschäft für den, der Vergnügen daran findet._ [roman:] Johns [/roman] Grüße erwiedern wir auf das Herzlichste u. danken ihm recht sehr für sein überschicktes Bild, dasselbe sieht einem jungen Kaufmann ähnlicher als einem Farmer._ Ich bedaure, daß Eure Bilder schlecht ausgefallen sind u. hoffe-, daß Ihr
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Ihr mal Gelegenheit finden werdet, uns mit guten Bildern von Euch zu erfreuen.- Wie ich aus Deinem Schreiben zu entnehmen glaube, ist Deine liebe Frau ohne eine weibliche Hülfe u. kann ich nicht wohl begreifen wie sie die Ihr obliegenden vielen Geschäfte zu bewältigen im Stande ist_. Gegen Ende dieses Monates / d 28. / sind es nun 30 Jahre, daß Du mit [roman:] Wilhelm [/roman] uns verlassen u. wir Euch leider nicht wieder gesehen_. Es ist ein langer Zeitraum in dem wir viel gekämpft u. gelitten u. recht herbe Verluste, die unersetzlich waren, zu beklagen hatten u. uns unvergeßlich bleiben werden._ Deiner Tante L. gehts gut-, auf's Briefschreiben ist sie sehr schlecht zugekommen; sie würde sich aber sehr freuen, wenn Du sie einmal mit einigen Zeilen überraschst, da sie sich sehr für Dich interessiert. Der Familie [roman:] Stock [/roman] gehts ebenwohl gut. An meiner Schrift kannst Du wohl sehen, wie sauer mir das Schreiben wird u. muß ich daher für jetzt schließen. Mit herzlichen Wünschen für Euer Aller Wohlergehen u. vielen Grüße an Dich Deine liebe Frau u. Kinder Dein treuer Vater.
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Wir sind recht besorgt, daß Du bei etwa eintretenden starkem Tauwetter durch Ueberschwemmung abermals zu leiden haben möchtest-, Du willst uns deshalb so bald als möglich aus dieser Besorgniß befreien.
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Anläßlich der Rhein- u. Main Ueberschwemmungen sind bis zum [roman:] 16. Febr. c. [/roman] aus den vereinigten Staaten Amerikas nahezu [underline:] eine Million Mark [/underline] Unterstützungen eingegangen!.
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Letter metadata




