Collection: Crede Family Papers
Author: Clothilde Schröder (Crede)
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Clotilde Crede to her son, Hermann Carl Crede, n.d.
Original text
Mein lieber Hermann!
Recht ser habe ich mich über den lieb Brief gefreut u besonders das Du uns gleig wiede schreibst mach es nur immer so u ich werde mich recht zufrieden sein das Du Dich noch nicht so gans wieder bei Deinen alten Kreften erholt has glaube ich Dir das wird auch noch lenger dauern, doch Dein Gewicht von 174 ℔ läst mich hoffen das Du bald alle Schwäge über wunde hast aber Du must Dir doch nicht zuviel zumute so glaube ich das Dir das Weizenschneide mit der Maschiene zu sauer ist u da würdest Du beser tuhe dazu Hülfe zu nemen. Ihr müst doch recht fleisig sein da Ihr alle Arbeit alein tuht allen Respeckt
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Ach ich möcht auch noch so gern recht Arbeite aber es will gar nicht mehr so wie sonst wenn ich jetz ans Arbeiten denk so wir mir angst u bange ach ich habe so gern gearbeitet es ist mir immer die größte Freude gewesen für meine lieben Kinder zuschaffen u danwar mir jede Arbeit recht, aber heut zu Tag ist das anderst da wird lieber die große Dame gespielt u des halb schuft u reicht nichts ach ich passe nicht mer in das heutige Getreibe ich gehe auch gar nicht mer aus dem Hause, ich habe jetz ein Stückgen Gartenland u das ist meine liebste Bescheftigu ich habe auch recht sön Gemüß gezogen jetz rechnet es aber zu viel u da werde die Kartoffel wohl nicht gut geraten Adelheid mit Mann Kinder u Dienstmagten sind son 4 Woche bei uns auf Besuch u werden noch bis zu 6 Tag bei uns bleibe da den 5 Papas Geburtstag ist u haben wir recht viel Lebe bei uns A Kinde sind recht sehr wild u munter._
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Dein lieber Karl tuht mir recht leid wenn es Ihm in Santlues[1] nicht so gut gefält wie zu Haus doch ist es jedenfals beser für Ihm, in was für einem Geschäft ist er denn u hat Er auch Hofnung mal selbstendich zu werden, sollen den die andern alle Farmer werden? Es wird gut für Dich sein wen Du erst Deine Kontir geschefte abgelaufen sind den Geldgescheft durch fremde besorgenzu lasse ist immer sehr gefärlich, wann wirst Du wohl damit zu ende kommen._
Bitte schreibe recht bald wieder u recht viel von Dir u den Kindern, Deine liebe Frau hatt aber der Arbeit genug wen Sie alles das was Du schreibst alles besorgen muß, wer besorgt das Melken u Viefuttern u wie viel Stück Vieh habt Ihr ach ich möchte Dich einmall sehen wie es bei Euch ist wenn ich nur ein Tach mal bei Euch sein könte doch das sind nur Wünsche die nie in erfüllung gehe könn._
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Wenn Du nun mit Deiner Contir Aemtern fertig bist u keine neue wieder annimst so kanst Du es doch wohl mal ein richten u uns besuche Du wirst Kassel nicht wieder kenn so ist alles verendert ich komme mir oft gans fremd fohr u nicht so als ob ich nun bald 50 Jahre hier gelebt hätt man sied noch selte ein alten gut Bekante so ist alles fremd u anderst. Den 21 Aprill 1885 ist unsere Goldne Hochzeit wen wirs erleben._
Nun mein lieber Hermann muß ich Dir für jetzt lebenwohl sage mit dem Wunsch für Euer aller wohlergehe bleibet gesund u zufrieden, u Gruße u küsse Dein lieb Frau u liebe Junge u behalt lieb
Eure Euch so herzligliebeden Mutter
Therese u Adelheid lassen bestens Grüßen.
Anmerkungen
- ^ "Santlues" = "Saint Louis" [Missouri]
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