Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Hermann Crede, July 16, 1867. The bulk of the letter was written by his father, Heinrich Carl Crede; Hermann's sister, Adelheid Crede, and his mother, Clothilde Crede, also wrote greetings.
Original text
Cassel, am 16. [roman:] Juli 1867. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman]
Vielen Dank für Deinen lieben Brief vom [roman:] 10. März c. [/roman] welchen wir indeß erst am 31. Mai / über [underline] [roman] Hamburg [/roman] [/underline] und deshalb mit [underline] doppeltem [/underline] Porto belegt / erhielten. - Ich entnehm aus Deinem Schreiben die Nachricht von [roman:] Classens [/roman] Hinscheiden. Deiner Aeußerungen über denselben sind die eines wahren Christen u. hast Du vollkommen recht, daß die große Liebe die er zu Euren Kindern gehabt hat, vieles gut macht. Außerdem bin ich wahrhaft erstaunt über die grenzenlose Unduldsamkeit, die dem Verstorbenen eine Ruhestätte auf dem Friedhof versagte-, kaum glaublich u. doch wahr. - Kommt hier nicht vor! - Mit Bedauern habe ich vernommen, daß [roman:] Classens [/roman] Testament sich nach dessen Ableben nicht vorgefunden u. Du dadurch, wenn auch wohl keinen direkte Nachricht, so doch wohl manch Unannehmlichkeit u. Kosten haben wirst, indeß wirst Du, wie die Verhältnisse stehen, nicht zu befürchten haben, in einen Prozeß mit den Verwandten des Verstorbenen verwickelt zu werden u. solltest Du wohl in der ganzen Sache ein richtiges Verfahren eingeschlagen haben. - Die zur Erlangung der Besitztitels gewünschte Urkunde habe ich gestern von [roman] Berlin [/roman] erhalten u. folgt anbei mit dem Wunsche, daß solche genügen möge. - Die vorgeschriebenen [underline:] englische [/underline] Beglaubigungsformel war bei hiesigem Gericht [underline:] nicht [/underline] zu lässig, weshalb ich dieselbe weglassen mußte, das Wesentlichste was darin enthalten habe ich deshalb noch in die Urkunde mit aufnehmen lassen u. hoffe ich daß Du damit durchlangst. Die Urkunde hat auch nicht die [underline:] äußere [underline] Form der amerikanischen, indem dies zu bewerkstelligen nicht in meiner Hand lag, außerdem fehlt es derselben nicht an Legalisierungen: Solltest Du daraufhin einen Besitztitel [underline:] nicht [/underline] erwerben
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erwerben können / was hier der Fall sein würde, da die [underline:] Erblegitimation [/underline] Deiner Mutter in keiner Weise [underline:] urkundlich [/underline] begründet ist / so würdet Ihr - Du u. [roman:] Wilhelm [/roman] nach dem dortigen Rechte als de nächsten dort anwesenden Erben der verstorbenen Großmutter deren Hinterlassenschaft in Anspruch zu nehmen haben und dürfte dies Verfahren wohl keinen Schwierigkeiten unterliegen. - Das Kaufgeld für fragliches Land haben wir - lediglich da ein Preis dafür angegeben sein mußte, mit [roman:] 100 Dollar [/roman] eintragen lassen, sind indeß [underline:] nicht [/underline] Willens, Dir [underline:] in irgend einer Hinsicht [/underline] eine Last aufzubürden. - Wir wissen recht wohl was Du für Dein verst: Großmutter gethan und derselben selbst Geldvorschüsse geleistet hast, die Dir nie zurückerstattet sind und hegen wir ebenwohl die Ueberzeugung, daß [underline:] unser [/underline] Wille, daß die Hinterlassenschaft der Verstorbenen [underline:] ohne irgend ein Beschwer [/underline] [underline:] allein auf Dich [/underline] übergehen soll, unzweifelhaft auch deren Wille u. Wünsche gewesen sein wird - . Unsere Kinder sind uns Alle gleich lieb, wir wollen keinen irgendeinen besonderen Vorzug geben u. glauben wir in unserem jetzigen Verfahren gegen Dich nur den [underline:] besonderen [/underline] Verhältnissen billige Rechnung getragen und nach Pflicht gehandelt zu haben. Ist etwas Erhebliches [underline:] uns nicht Bekanntes [/underline] hiergegen einzuwenden, so willst Du uns darüber Mitteilung machen. - Sollte namentlich [roman:] Wilhelm [/roman] begründete Ursache haben, sich durch unser Verfahren etwa zurückgesetzt zu fühlen, so schreib mir aufrichtig darüber, damit ich eine Ausgleichung herbeiführen kann, die jedoch selbstverständlich Dich in Deinen Verhältnissen in keiner Weise stören soll. Mein ganzes Streben ist meiner Kinder Glück zu fördern u. kann ich in deren Glück nur das meinige finden. -
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Nicht in der Welt könnte mir mehr Freude machen, als Euch allen zu Eurem Fortkommen so recht gründlich helfen zu können und ist es mir schmerzlich, daß ich dies nicht so kann woie ich wünschte. - Du willst einen Bau aufführen, was sicher rech dringend nötig ist, ich freue mich darüber, bin aber auch besorgt, daß Dir dies sehr schwer werden wird & Du Dich in Schulden stecken mußt, die Dir drückend werden. - In unseren Verhältnissen hat sich seit meinem letzten Schreiben nichts Wesentliches verändert. Wir haben im [roman] April [/roman] d.J. eine andere, recht freundliche Wohnung in einem Garten an der holländischen Straße bezogen, wo wir uns recht gemüthlich & Gott sei Dank auch wohlfühlen. Die Wohnungen sind enorm theuer - ich zahle für ein kleines Logis, 2 Stuben, 2 Cabints, Küche, Keller u. ein klein Stückchen Land im Garten 80 rth. jährlich u. habe bis in der [roman:] Bellevueschloß [/roman], wohin unsere Behörde verlegt ist, eine halbe Stunde zu gehen u. muß diesen Weg täglich 2 mal hin u. zurück machen; fühle mich aber dabei ganz wohl, ich mag kein Logis in der Stadt haben, selbst wenn solche da billiger wären. - Wir freuen uns gar sehr, daß Ihre alle gesund seid & Eure Kinder kräftig heranwachsen, mögen sie Euch Gott erhalten und viel Freude daran erleben lassen! Ich würde er für mein größtes Lebensglück ansehen, könnte ich mal bei Euch Leiben sein, doch wird mir dies sobald noch nicht vergönnt sein, eine Besuchsreise zu Euch ist aus zwei Gründen nicht möglich, 1.) würde ich den dazu nöthigen Urlaub nicht erhalten u. 2.) die nötigen Mittel dazu nicht aufbieten dürfen -, erhalte ich abr mal Pension, dann hoffe ich zu Gott, daß wir dann mit Sack u. Pack zusammen zu Euch kommen, was ein tröstlicher Gedanke für mich ist. Daß
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daß [roman:] Wilhelm [/roman] Aussicht hat, für seinen geleisteten Militairdienst noch eine extra Vergütung zu erhalten, freut mich sehr, er wird das Geld recht wohl brauchen können -, werdet Ihr für des seel. Carls Kriegsdienste auch jene Vergütung erhalten, so ist dies ja gut, - möchte er sie selbstbezogen haben - der gute brave Junge mußte sein Leben lassen, was mir das meine ewig trüben wird, doch hat er dasselbe einer guten Sache geopfert, was mir Trost gereichen muß - . Das Jahr 1863 war ein zu unglücklches für uns, wo wir drei gute brave Kinder verlieren mußten, die unvergeßlich in unserem Herzen fortleben. - Mein lieber [roman:] Hermann [/roman] für jetzt will ich schließen, das nächste mal schreibe ich Dir mehr, auch wird Dir dann Tante [roman:] Louise [/roman] - der es gut geht, schreiben. Lebe recht wohl mit den lieben Deinen & seid herzlich gegrüßt von Dein treu Vater Cre.
Schreibe mir recht bald über den Verlauf Deiner Sache da mich solche immerhin beunruhigt. - [roman:] Deian Hahne [/roman] - nach dem Du Dich erkundigst, ist seit 2 Jahren DomCapitular in Fulda u. stets noch der brave bidere Mann der er immer war. [roman:] Conrad Schäfer [/roman] grüße herzlich von uns, es freut uns, daß es ihm gut geht, er wollte mir mal schrieben, hat es aber nicht gethan, von hieraus wird er wohl keine Hülfe zu erwarten haben, sein Bruder [roman:] Carl [/roman] [underline:] der er nicht der Mühe werth gefunden [/underline], von uns Abschied zu nehmen, wird jetzt wohl bei ihm eingetroffen sein - Ich habe Manches für die Familie gethan. -- .
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Lieber [roman:] Hermann! [/roman] Ich bin recht glücklich, daß ich wieder zu Hause bin, ach Daheim ist es immer am besten. Papa sagt ich sollte mich kurz halten und ich hätte Dir noch so viel zu schreiben, nun auf ein andermal. Was macht [roman:] Conrad Schäfer ? [/roman] grüße ihn viele mal von mir. Lebe wohl, mein lieber Bruder, grüße und küsse [roman:] Maria [/roman] und die lieben Jungen von mir und sei Du geküsst von Deiner Dich liebenden [roman:] Adelheid. [/roman]
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Mein innig geliebter Hermann! Waß Dir Vatter schreibt dammit bin ich einverstanden gib Deiner lieben Carl einen tüchtigen Kuß von mir ach wie gern müßte ich bei Euch sein ich hatt so ger Euch etwas mit Karl Schäfer geschickt aber der Mann ist nicht mahl zu uns gekom u sich Deine erlassen Du brauchst Dich auch nicht um
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Kind u Minchen Harnickell werden den 3 August zu Albert in Baltimohr reisen woh Hin Alberd 12 Mill von [insertion:] Baltimore [/insertion] [underline:] Baltimoh [/underline] ein Farm gekauft hatt [illegible] wahr gestern bei uns er ist noch immer der alte u wird sich gewiß dort gefallen.
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Den Brief an [roman:] Wilhelm [/roman] willst Du recht bald besorgen und uns so bald als thunlich schreiben, damit wir wegen Deiner Sache nicht so lange in Unruhe schweben.
Euch Allen nochmaliges Lebewohl. Dein Vater
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Schreib mir doch was Du für diesen starken Brief an Porto bezahlt hast, ich mochte derselben der Sicherheit wegen nicht frei machen.
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Ihr zu kümme, grüß Conrad Schäfer das ist der einzig gute von der ganze Gesellschaft. Wir sind mahl wiede gewahr worde das Undank der Wellt Lohn ist ich glaube nicht das Conrad mahl etwas von zu Hause bekom wird der gute. The. wird schon alles kleine machen. Conrad wird nachte Jahr auch nach Deutschland Wilh.[illegible] u da hat Er gnuch den Sie sind alles rcht Zwänge. Ich muß für Dich wohl schließe da ich am Schluß bin. Leben rech wohl mein lieb gut Sohn u behalt lieb. Dein Mutter
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