Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Crede family letter to Hermann Crede, July 22, 1866. The first part of the letter is written by Hermann's father, Heinrich Carl Crede; the second part by his mother, Clothilde Crede; the third part by his sister Therese and the fourth by his sister Adelheid.
Original text
[roman] Cassel d 22t Juli 1866. [/roman]
Mein lieber [roman] Hermann! [/roman]
Von einem Tag zum anderen haben wir mit Sehnsucht Deinen angekündigten Brief erwartet, aber leider bis heute vergebens, was auch der Grund ist, warum ich so lange mit der Beantwortung von [roman] Wilhelms [/roman] Brief gezögert habe. Aus anliegendem Brief an denselben, - den Du recht bald besorgen willst, wirst Du ersehen, wie traurig es jetzt in Deutschland aussieht_ Die gegenwärtigen Kriegsverhältnisse stimmen uns recht traurig, da sie uns täglich an den unersetzlichen Verlust unseres geliebten [roman] Carls [/roman] erinnern_. Es hat uns herzlich erfreut, aus Deinen wenigen Zeilen zu entnehmen, daß Ihr Alle gesund und munter seid u. die Zeiten bei Euch sich besseren, möchten sie bald recht gut werden und Euch für die traurigen Vergangenheit möglichst entschädigen, was freilich so bald nicht in Erfüllung gehen wird. Wir werden hier auch nach dem Kriege große Geldopfer zu bringen haben, da alle durchziehenden Truppen Seitens der Stadt mit bedeutenden Vorräthen vom Lebensmitteln versehen werden müssen_. Unsertwegen könnt Ihr unbesorgt sein, da wir wohl nicht zu erwarten haben, den Kriegsschauplatz in unsere unmittelbare Nähe verlegt zu sehen. Sobald die Verhältnisse bestimmte Formen einnehmen werde ich Dir alsbald Nachricht geben. Wie ich heute in der Zeitung lese, soll ein Waffenstillstand auf 5 Tage abgeschlossen sein, möchte dieser zum Frieden führen. Ich hoffe nun recht bald Deinen ausführlichen Brief zu erhalten, wenn derselbe nicht, wie ich fast vermuthe, verloren gegangen ist. Der Eisenbahnverkehr ist jetzt häufig wegen der [?] Leuppenbeförderung [?] p. unterbrochen. _ Ich schreibe Dir bald mehr u. verweise für jetzt auf meinen Brief an [roman] Wilhelm [/roman]. Die Einlage willst Du an [roman] C. Schäfer [/roman] besorgen u. nie demnächst über dessen dortige Verhältnisse p. Mittheilung machen, ich glaube nicht, daß es gut thut, die von ihm verlangte GeneralVollmacht zu geben, er mag aber nach seinem Ermessen handeln. Lebe recht wohl mit den lieben Deinen u. seid Alle von mir auf das Herzlichste gegrüßt. [underline *2] Schreib recht bald [/underline *2] Deinem treuen Vater Cr.
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Mein lieber guter Hermann!
Wie schmerzlich haben wir auf einen Brief von Dir gewartet, Du bist gewiß krank ach was habe ich mir schon so viele Sorgen deshalb gemacht wen es Dir irgend mochlich ist so schreib ja gleich wieder, wenn wier nur echt bei Euch sein köntte, es ist noch mein riesige Wunsch den ich auf diese Weld habe. Ihr muß Euch doch so schnelle und ich köntt doch Dein liebe Frau gar mang Arbeit abnehm, ihr führ doch jetzt so eine recht sauhres leben, wen ich muß so kan ich noch gut arbeite ich ha die letzte Zeit teils alles geschaft u es ist mir auch gar nicht so saur geworden die Hofnung Euch noch eins bischen arbeiten zu helfen spornt mich an mein Kräfte zu üben sonst bin ich Euch ja gar nicht mer nütze, Therese ist recht fleisig sie strickt in [illegible] Wolle für ein Stickereigeschäft u verdient de Tag wen Sie 12 Stun recht fleisig ist 6 Sgr es ist dieß zwar wenig doch es ist ein sehr schön Arbeit u sie mach es sehr gut. Sie kann sich doch recht gut Ihr Kleide u [illegible] ganz [illegible] kauf was ein Mensch so hatt der Bedürfnis garzu [illegible 2 words] wird warscheinl auch lange Zeit in eine ande Haushal gehe da wir nichts zu thun haben u es auch gut für sie ist wen sie mahl sied wie es bei ande Leuten ist. Was mache nun Dein lieb Jungen Karl, John u Wiliam Sie sind doch all gesund u munter o kon ich sie nur sehe u an mein Herz drücken gieb jed ein derben Kuß von der alte Großmutter, auch der gute Marie gib in meinem Nahm ein rechte Kuß, der [illegible 2 words] wird es Dich gewiß recht sauer [illegible 7 words] hatt sie nun [illegible 2 words] wie wird sie nur fertig, was macht der Großvatter habe nur recht geduld mit Ihm er ist ja ein alt Mann gewiß recht heglich wo mir das freundlich auch ganz herb u hab u es Ihnen dorten gut geht freud mich gar [illegible] er ist ein gutt Mensch im Dich Seine auch [illegible 2 words]. Lebewohl mein lieb Kinde schreibe recht bald wiede bleib gesund u denk oft an Eur Mutt Clothilde.
[page 3, 3rd author:]
Mein lieber Hermann!
Auch ich will Dir wenigstens einige Zeilen schreiben. Soeben lese ich in der Zeitung das die kriegsführenden Mächte in Friedensunterhandlungen stehen wie es ausfällt und was es nun geben wird, das wird die Zukunft lehren. Ich hatte mich auf diesen Sommer rech gefreut aber der abscheuliche Krieg hatt mir wieder alle Freude verdorben. Mamma wollte mit mir auf längere Zeit verreisen nun aber müssen wier zu Hause bleiben und warten bis es besser wird. Nun lebe wohl, grüße und küße die liebe Maria und Deine lieben Kinder am herzlichsten sei Du gegrüßt und geküßt von Deiner Dich inigliebenden Schwester Therese.
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Mein lieber Bruder!
Wie geht es Dir und Deiner lieben Maria? Was machen Deine lieben Jungen, o die müssen doch jetzt recht groß schon sein, und [roman] Carl [/roman] geht wohl jetzt schon in die Schule, aber wohin schikt Ihr ihn den in die Schule? Bitte lieber [roman] Hermann [/roman], schreibe uns doch wenn [roman] Mariens, Carls, Johns, und Wiliams Geburtstage sind, denn wir wissen es nicht mehr genau. Ich werde nun auf Michaelies nach Gieselwärt zum Rentmeister [?] Brondau [?] ein Freund von Papa. in den Haushalt kommen wir zu Hause wenig zu Thun haben. Nun lebe wohl, grüße und küße Deine liebe [roman] Marie [/roman] nebste Kindern Und sei auch Du herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner Dich liebenden Schwester Adelheid.
Bitte grüße auch den alten Großvater.
Letter metadata



