Collection: Crede Family Papers
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Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clotilde Crede to their son, Hermann Crede, and daughter-in-law, Maria Crede, June 23, 1860.
Original text
[roman:] Cassel [/roman] am [roman:] 23 [/roman] ten [roman:] Juni 1860. [/roman]
Vielgeliebte Kinder!
Vor Allem unsere innigsten und herzlichsten Glückwünsche zur Geburt Eures 1ten Söhnchens!, möge Euch und ihn der Allgütige in seinen besonderen Schutz nehmen, den Kleinen fröhlich gedeihen und Euch viel Freude an ihm erleben lassen. Ihr könnt Euch leicht denken, daß uns die Nachricht von dem kleinen Ankömmling auf das Freudigste erregt hat, die Kinder, besonders [roman:] Therese [/roman] u. [roman:] Adelheid [/roman], waren außer sich vor Vergnügen bereits Tanten geworden zu sein u. haben nicht versäumt, allen Bekannten dies freudige Ereigniß mithzutheilen.- Daß Ihr dem Kleinen meinen Namen beigelegt habt, hat mich sehr gefreut u. danke Euch dieserhalb recht herzlich_. Dein Schreiben vom [roman:] 22. Februar [/roman] v. J. ist am [roman:] 18. April [/roman] behändigt worden u. war es uns sehr erfreulich, solches noch vor unserer silbernen Hochzeit, welche wir am [roman:] 21t [/roman] desselben Monates feierten, erhielten. von Freuden u. Bekannten wurden wir an diesem Tage recht überrascht, diesselben fanden sich am Abend wieder bei uns ein u. waren wir bis gegen Morgen recht vergnügt zusammen, es wurde Eurer mit vieler Liebe gedacht und auf Eurer Aller Wohl manches Glas geleert.- Deinen Brief mein lieber Hermann würde ich schon früher erwidert haben, hätte ich nicht von Tag zu Tag auf Nachricht von [roman:] Carl [/roman] gehofft, die aber bis heute nicht eingetroffen ist, weshalb ich denn meine Antwort nicht länger verzögern will. Was ich von [roman:] Carl [/roman] denken soll, weiß ich wirklich nicht-, sein letztes Schreiben, was zu unseren Händen gekommen, ist vom [roman:] [underline:] 25t. April 1858 [/underline] ! [/roman] datiert_. Dein Antwortschreiben dessen Du in Deinem letzten Briefe erwähnst, haben wir [underline:] nicht [/underline] erhalten._ Dein [underline:] vor [/unterline] letztes Schreiben ist vom [roman:] 15. März 1859 [/roman] _, es war mithin länger als ein Jahr verflossen, daß wir ohne alle Nachricht von Euch waren. Meinen [underline:] letzten [/underline] Brief vom [roman:] 25t. Februar [/roman] d.J._, welchen ich jedoch erst am [roman] 13te [/roman] März abgesandt habe, weil ich täglich Nachricht von Euch erwartete, wird Dir zugekommen sein und wirst Du mir in Deinem nächsten Schreiben recht ausführlich darauf antworten._ Endlich erhielten wir denn auch mal
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mal wieder Nachricht von [roman:] Wilhelm [/roman], seit [underline *2:] dem [roman:] 26. Mai 1857- [/roman] [/underline *2] die erste, wir empfingen dessen Brief [roman:] 8 Tage [/roman] nach dem Deinigen. [roman:] Wilh. [/roman] schreibt wenige Worte, die Antwort darauf füge ich hierbei. Nimm Einsicht davon, daß solche sobald als thunlich am Wege langen, und äußere Dich in Deinem nächsten Briefe bezüglich auf den Inhalt meines Schreibens_. Obgleich [roman:] Wilhelm [/roman] sich nicht darüber ausspricht, so [underline:] scheint [/underline] mir indeß, als sie das Verhältniß zwischen Dir und ihm / kein [underline:] ächt besonderliches [/underline]; was uns, wenn es an dem wäre, auf das Tiefste betrüben würde-. Es liegt doch wahrlich zu sehr in der Natur der Sache, daß zwischen Euch Brüdern die innigsten und liebevollsten Verbindung bestehen sollte!_ Von [roman:] Carl [/roman] erwähnt [roman:] Wilh. [/roman] gar nichts! Wie Du mir mittheilst, hat Großvatter nunmehr sein Testament gemacht und Dir darin sein bewegliches und liegendes Eigenthum zugesichert_. Ich weiß, offen gesagt, eigentlich nicht, wie ich dessen ganzes BesitzVerhältniß auffassen soll_. Soviel mir bekannt, war darin sel. Großmutter bereits im Besitz des Farms, als sie sich wieder verheirathete, auch [underline:] meine ich [/underline], daß ihr durch diese Heirath ein Vermögen nicht zugebracht worden sei und würde somit nach [underline:] hiesigen Rechtsverhältnissen [/underline] deren Vermögen-, nach stattgehabtem Nießbrauch der ihrerseits etwa ihrem Manne zugesichert worden-, ohne allen Zweifel [underline:] ihren [/underline] Erben zukommen und von einem DispositionsVerhältniß von Seiten Deines Großvaters [underline:] nach seinem Ableben [/underline] keine Strick sein können_. Ich hegte deshalb die Hoffnung, daß Dir derselbe [underline:] schon jetzt [/underline] unter annehmbaren Bedingungen den Farm übergeben würde_. Ich kenne die dortigen Verhältnisse nicht, weiß auch nicht, in [underline:] einem welchen [/underline] Deine Großeltern zu einander gestanden haben, will deshalb auch nicht darüber urtheilen_. Dem sei nun auch wie ihm wolle, so bleibt die Hauptsache [underline:] die [/underline], daß Du [underline:] nach jeder Richtung hin gesichert [/underline] bist und Deine Existenz fest begründet erscheint_. Im Uebrigen beziehe ich mich auf mein Schreiben an [roman:] Wilhelm [/roman] wovon Du Notiz nehmen willst_. Seit
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Seit meinem letzten Briefe hat sich in unserem u. dem Kreise unser Verwandten nichts Besonderes ereignet_. Mit [roman:] Minchens [/roman] Gesundheit geht es - Gott sei Dank - seit diesem Frühjahr wieder besser, sie ist seit Anfang d. M. wieder bei ihrer Pathe in [roman:] Kaufungen [/roman], wo sie sich einer äußerst liebevollen Behandlung zu erfreuen hat._ [roman:] Minchen [/roman] _ die letzte Ostern confirmirt würde_ ist groß u. stark geworden, [roman:] Therese [/roman] u. [roman:] Adelheid [/roman] wachsen auch freudig heran u. sind recht lebhafte Kinder, die uns viel Freude machen; sie wünschen sich recht oft bei Euch sein zu können, um ihren kleinen Neffen zu verwahren._ Deine Tante [roman:] Louise [/roman] hat noch ihren Haushalt in [roman:] Kaufungen [/roman] für sich, sie hat soviel, daß sie sorgenfrei leben kann, ist aber oft kränklich u. durch den Tod der guten Mutter noch sehr niedergebeugt; sie denkt Euer mit vieler Liebe u. erinnert sich so oft ich sie sehe Deiner frühesten Jugend, wo Du eine Zeit lang in [roman:] Kaufungen [/roman] zugebracht hast._ Mit meiner gegenwärtigen Dienststellung bin ich ganz zufrieden, ich bin nicht überhäuft mit Arbeit u. ist meine Beschäftigung angenehm, viel zu schreiben habe ich nicht, dagegen viel zu lesen._, mit meinem Vorgesetzten stehe ich auf recht gutem Fuße._ Wenn auch mein DienstEinkommen kein glänzendes ist, so können wir doch sorgenfrei leben und trotz der anhaltenden Theurung aller Lebensbedürfnisse doch hin u. wieder noch etwas zurück legen u. so für späte Zeit sorgen._ Ich schließe in der freudigen Hoffnung meine lieben Kinder, daß es Euch wohl geht u. Ihr Euch guter Gesundheit erfreut, auch wünsche ich sehr, daß Ihr Alles aufbietet mit Großvatter / den ich herzlich zu grüßen bitte/ ein gutes Einvernehmen zu erhalten u. ihm u. Euch das Leben erheitert-, den was ist ein Leben ohne Friede u. Eintracht?!_ Deiner lieben Frau_ die hoffentlich recht gesund ist, unsere herzlichsten Grüße, meinem kleinen Enkel Küsse [illegible] in meinem Namen.
Wenn Ihr Euer Bild schicken könnt, so würde es uns unendlich freuen, auch Euren Kleinen dabei zu finden._ Nun mein lieber [roman:] Hermann [/roman] und liebe [roman:] Marie [/roman] lebt recht wohl u. glücklich
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und erfreut und recht, recht bald mit einer Nachricht_!
Mit herzlicher Liebe Euer treuer Vater Credé.
[underline:] N. S. [/underline] Die Aussichten zur diesjährigen Ernte sind recht groß, indeß die Fruchtpreise noch sehr hoch_ 1 Vrtl. Weizen 9 1/2 rt., Korn 7 1/2 rt. Am 20.t. Mai hatten wir sehr starke Gewitter die in der Gegend von Alhendorf bis Witzenhausen schreckliche Verherungen angerichtet haben._ Außerdem ist das Wetter bisher noch ziemlich kalt u. stets sehr windig gewesen.
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Mein innig geliebten Kinder, Marie und Hermann! Meinen innigsten glück wunsch zu der Geburt Eures lieben Söhnchens möhe Er Euch so glücklich machen wie ich Euch so gern alle wisse möchte möchtet Ihr alle mein lieber recht gesund und zufrieden sein ach Zufriedenheit ist eine große Quelen Gottes, und möchtet Ihr Euch so recht von Herzen lieben, dann werde Ihr auch glücklicher trotz Arbeit u. Sorgen, ach wie gern möchte ich Euch bei Pfleg u. Wartung mein lieben Enkelgen helfen, ach wen die Reise zu Euch nur nicht so viel Geld kostete. Muht u. Kraft würde ich schon habe Euch einmal zu besuche doch daran darf ich nich denke und kan weiter nichts thun als für Euch bethen u. Euch den Schutz Gottes erbitten, Du schreibst ja nicht wehr mein liebes Enkelchen Getauft hatt bitt Euch es das nächst mahl auch bitt ich zu schreibn wann mein liebe Maries Geburtstag [insertion] ist [/insertion] damit wir auch den Tag auf unsere stille Art feiern könn. Wilhelm hat zu eher entlich ein mahl geschrieben aber sein Brief wahr so kurz u. eigentümlich das ich nicht recht klug aus Ihm werd. Denn ich glaube fast Er fühlt sich nich recht glücklich auch Carl hat so lang nichts von sich hohrn lassen das ich mir seiner ! wege auch nur Sorge mache muß. Lehbet recht wohl bleib gesund schreibe bald wied. u. denkt so oft an uns wie wir an Euch. Eure euch liebende Mutter Clothilde.
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