Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Hermann Crede from his parents, Heinrich Carl and Clothilde Crede, and his sister, Therese Crede, October 13, 1872.
Original text
[roman:] Cassel [/roman], am [roman:] 13t October 1872 [/roman].
Mein lieber [roman:] Hermann [/roman]!
Obgleich Du in Deinem Schreiben vom [roman:] 29t. April [/roman] d. J. einen baldigen weiteren Brief in Aussicht stelltest, so haben wir dennoch zu unserem Bedauern, bis heute nichts wieder gehört u. ist somit auch mein letztes Schreiben vom [underline:] [roman:] 23. Juni c. [/roman] [/underline] unbeantwortet geblieben; ich nehme deshalb Veranlassung, Dich zu bitten, uns baldthunlichst mitzutheilen wie es bei Euch geht.- Bei uns hat es seither im Ganzen gut gegangen, zwar war ich im Juli einige Wochen an rheumatischen Fieber leidend, befinde mich aber jetzt wieder recht wohl. Deine gute Mutter muß hin u. wieder an heftigem Kopfweh aushalten ist aber außerdem gesund u. immer noch recht thätig. Den jungen Eheleuten u. [roman:] Therese [/roman] gehts gut._ Meine Erwartungen bezüglich einer weiteren Aufbesserung meiner Besoldung haben sich bis dahin nicht realisiert, obgleich die Gehalte bei allen übrigen Staatsbehörden _ rücksichtlich den fortwährend sich steigenden Preise aller Lebensbedürfe_ erhöhet worden sind, so hat es der FinanzMinister [strikethrough:] dennoch [/strikethrough] für gut befunden, die Königliche Generalverwaltung zu übergehen-, weil solche nach dem Ableben des Kurfürsten zu existiren aufhört u. man[strikethrough]n[/strikethrough] dann den disponibel werdenden Beamten keine hohe Gehalte zahlen will_. Ein schöner edler Grund_! Unsere Behörde hat hierauf einen sehr energischen Bericht erstattet, wovon wir den Erfolg erwarten. Die Aufbesserung der Gehalte ist allerdings dringend u nöthig, da, trotz einer guten Ernte - Alles was man ansieht, so enorm theuer ist, daß
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es kaum zu bezahlen ist; [roman:] 250 rt: [/roman] in [roman:] 1830r. [/roman] Jahren habe jetzt den Werth von [roman:] 600 rt. [/roman] Wir haben ja unser gutes Auskommen u. will ich nicht klagen, indeß nehme ich gern, was mir in meiner Stellung u. nach meiner Dienstzeit gebührt, besonders, da ich mein ganzes Leben durch so stiefmütterlich behandelt worden bin_. Hoffentlich ist Deine Ernte _ wozu Du die Aussicht in Deinem letzten Schreiben ungünstig schilderst - besser ausgefallen als Du dachtest u. wird es mir lieb sein, bald Erfreuliches darüber zu hören, auch zu erfahren, wie Du Dich in Dein [roman:] Notariats- [/roman] Geschäft eingearbeitet hast u. wie es sich lohnt._ Von [roman:] Wilhelm [/roman] habe ich vor 2 Monaten zuletzt Nachricht gehabt, wo er mir mittheilt, daß leider seine ErnteAussichten nicht günstig seien, der arme Bursche wird die nächsten Jahre, wo er noch viel Geld in den Farm stecken muß, wenn er Gebäude u. sonst Alles in Stand setzen will, noch recht seine Last haben; ich wünschte nichts mehr, als in den Verhältnissen zu sein, ihn wirksam unter die Arme greifen zu können, was leider nicht der Fall ist; doch hoffe ich, wenn er mit den Seinigen gesund bleibt, sich mit der Zeit dennoch Alles gut für ihn gestalten soll. - Deiner Tante [roman:] Louise [/roman] geht es so viel ich weiß gut, sie besucht uns selten u. dann nur auf Stunden. Ich komme auch selten nach [roman:] Kaufungen [/roman], da mich auch selbst des Sonntags meine Dienstgeschäfte eine Reise nicht gestatten. Von Deinen übrigen Verwandten kann ich Dir nichts Erhebliches schreiben, da ich nicht viel von ihnen gewahr werde, es müßte denn sein, daß sie mich nötig hätten.- Schreibe mir [underline:] recht [/underline] bald lieber Hermann wie es Euch Allen geht u. recht ausführlich. Lebe mit den Deinen recht wohl u. seid Alle recht herzlich gegrüßt von Deinem treuen Vater.
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Mein innig geliebter Hermann!
Recht sehr habe ich mich über Dein lieben Brief gefreut, Du hattest uns aber auch garzulang warten lasse, ich macht mir schon recht trübe Gedanken, ich glaubt Du seihest kaum dem blose Gescheft konte ich mir nicht gut als grund Deines langen Schweige denken Du versprachest recht bald wiede zu schreibe, und nun sind doch schon wiede Monate vergangen u wir haben doch kein Brief ach ich möcht doch jeden Monat von Euch höhren es ist ja die einzig Freude die mir wird von Euch gute Nachricht zu haben bitt lieber Hermann mach mir diese Freude, ach könte ich doch nur einmahl Dich mit Deinen 4 Junge in Deiner Häuslichkeit sehe. Daß Dir Dein Karl Freude macht u gut lernt macht mich glücklich, u gib den gute Junge in meinem Nahmen ein derbe Kuß, ich möcht Ihnen so gern mahl erfreun, jetz da daß liebe Weinachtsfest heran rückt bin ich immer so traurich da es mir nicht mahl vergönt ist meine Lieben alle zu erfreuen. Du schreibst Karl ginge nicht zur Schuhle u John u Wille[1] ginge hin gehe denn die Jung nicht in eine Schule wie is daß? Unsere Adelheit hatt auch ein liebes Mädchen es heist Clothilde und macht uns recht Freude es ist ein recht zartes Kind da es meist auf gefütter wird da Adelheit keine Milch hatt es ist eine große Last hir ohne Muttermilch ein klein Kind aufzuziehe da habt Ihr es doch weit besser, ich möcht bei Euch sein. Es ist hir jetz alles so sehr teuer das mir der Haushalt garkein Freud mehr macht u es ist hier ein so groß Schwüda wie nih.
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Daß Du wieder ein öffentliches Amt bekleidest mach mich gans stolz u glück da sehe ich doch das mein lieber Herm ein ganzer Mann ist, u Du hast doch auch etwas für Dein Haus u die Schuhle u brauchst Dich doch nicht mit so saure Arbeit zu quelen, Dein Siegel habe ich allen Bekanten gezeigt. Rudolph Hagemann läst Dich bestes grüßen, jetz will ich Dir sage wie alles im teuhre ist daran kanst Du sehen daß ich mich recht absorgen muß daß ich mit meinem Haushaltgeld aus kom. Das Brod kost im ℔ 1 Sg 2 kg Rindfleisch 7 Sg Kalbfl. 6 Sr Hamelf: 6 Sg Schweinefl: 7 S 4 kg [illegible] 8 Sg Butt 13 Sg: 20 [?] Eiern [?] 14 Sg; Kaffe 11 Sg bis 12 Sg Zuck 6 Sg. So geht es mit allem übrige Sache es kostet alles gerade daß Doppelte was es zur Zeit kostet wie Ihr von hier [illegible] es wird nun schon bald 21 Jahr daß Ihr fort seiht ach was doch die Zeit dahin geht: ich bin nur froh daß es Euch gut geht u die Mutter kann doch Ihr liebe Kinde nicht nur leiblich behalt; Nun mein lieber Hermann lebe recht wohl grüß u küß Dein liebe Kind. Schreibe recht bald u recht vie gutes, mache Deine Kinde eine schön Cristbaum u bescher Ihnen recht vie gutes / was ich so gern gern tuhe möcht / und behalt lieb. Dein Dich zertlich liebende Mutter.
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Liebster [roman] Hermann! [/roman]
Obgleich Du mir nicht einmal geschrieben hast so will ich mich nicht revanchiren und will Dir doch ein paar Zeilen schreiben. Wie es bei uns geht hat [roman] Papa [/roman] und [roman] Mama [/roman] schon geschrieben. Augenblicklich sind wir sehr beschäftigt, wir haben die Wäsche und da kannst Du Dir denken wie bunt es da hergeht. Außerdem ist Adelheids kleine Tochter krank Du mußt sie deshalb entschuldigen daß sie Dir nicht schreibt. Wenngleich die Krankheit der kleinen Maus hoffentlich nicht von Bedeutung ist, so ist sie doch sehr in Sorge. [roman] Pupi [/roman] ist aber auch ein zu reizend liebliches Kind, sie ist unser aller Freude; Bei Euch wird es gewiß jetzt recht heiß hergehen, wegen der neuen Präsidenten Wahl, ich bin neugirig wer die nächsten vier Jahre gewählt wird. Ich habe schon zu [roman] Mama [/roman] gesagt, hoffentlich würden sie Dich wählen, ich fände es reizend, wenn Du President würdest._ Schreibe uns recht recht bald wieder und küße mir die Jungen alle tüchtig von ihrer alten Tante Therese, besonders sei Du geküßt von Deiner Dich innig liebenden Schwester Therese.
Anmerkungen
- ^ "Wille" = "William": William Crede, Sohn von Hermann Crede
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