Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Heinrich Carl Crede and Clotilde Crede to Hermann Crede, March 3, 1861.
Original text
[roman:] Hessen Cassel [/roman] am [roman:] 3t. März 1861 [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann [/roman] ! Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief vom [roman:] 1t Dezember [/roman] v. J., dessen Empfang wir uns am 5t. Januar d. J. zu erfreuen hatten. Schon lange sahen wir mit Sehnsucht einer Erwiederung unseres letzten Schreibens vom 23t. Juni v. J. entgegen und hast Du uns wieder recht sehr warten lassen._ Schreibe ja öfter und [underline:] mindestens alle drei Monate [/underline], denn Du glaubst nicht , wie sehr es uns beunruhigt, wenn wir längere Zeit nichts von Euch hören!_ Ich würde Deinen Brief schon früher beantwortet haben, hätte ich mich von Tag zu Tag auf Nachrichten von [roman:] Wilhelm [/roman] und [roman:] Carl [/roman] gehofft_, aber [underline:] beide [/underline] haben [underline:] leider bis heute nichts [/underline] von sich hören lassen! [roman:] Wilhelms [/roman] letzter Brief ist vom [roman] 8. April 1860 [/roman] / die Antwort darauf fügte ich meinem Schreiben an Dich vom 23. Juni v. J. bei / und von haben wir _ denke Dir! seit dem [underline:] 25t. April [underline *3: ] 1858 [/underline *3] keine Zeile gesehen_! Was ich davon denken soll, weiß ich warlich nicht_, beide lassen meine vielfachen herzlichen Bitten, uns öfter Nachricht über ihr Ergehen zu geben, gänzlich unbeachtet_, [underline] weshalb [/underline] ?_ kann ich mir nicht beantworten. Da ich fast annehmen muß, daß es ihnen zur Last ist, ihre Eltern, die mit aller Liebe an Euch Allen hängen, zu schreiben, so muß ich [underline:] Dich [/underline] bitten, uns in Deinem nächsten Briefe ausführlich Nachrichten über Beide zukommen zu lassen._ Du schreibst [roman:] Carl [/roman] sei [underline:] ziemlich [/underline] gesund gewesen, dies beunruhigt mich, kann er vielleicht das Klima nicht vertragen, oder ist sonst leidend?_ Mit inniger Freude entnehmen wir aus Deinem Schreiben, daß es im Kreise Deiner kleinen Familie gut geht, auch der kleine [roman:] Carl [/roman] fröhlich gedeiht-_ Möge euch Allen der Allgütige ferner dauerhafte Gesundheit und Zufriedenheit verliehen._ Daß Dein Fleiß und eifriges Sterben in den beiden letzten Jahren_ ungünstigen Witterungsverhältnisse halber _ sich eines lohnenden Erfolges nicht zu erfreuen hatte, bedauren wir gar sehr; doch bin ich überzeugt, Du wirst deshalb den Muth nicht sinken lassen u. wünsche von ganzem Herzen, daß dieses Jahr ein recht segensreiches für Euch sein möge._ Wenn Euch nur die jetzt dortherrschenden Unruhen und Wirren nicht hindernd in den Weg treten und Euch das Leben verkümmern, wie alle befinden uns dieserhalb in großer Angst und besorgen namentlich, daß es etwa [roman:] Wilhelm [/roman] oder [roman:] Carl [/roman] einfallen könnte, Soldaten zu werden, oder zum Kriegsdienst genöthigt zu sein_, was ganz schrecklich für uns wäre. _ Wir bitten Dich herzlich, uns hierüber [underline *2:] umgehend [/underline *2] Nachricht zu geben. Die ZeitungsNachrichten, die zu uns gelangen
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sind am Ende wenig zuverlässig._ Auch die hiesigen Verhältnisse sind in keiner Weise erfreulich, neben anhaltender Theurung aller Lebensbedürfnisse sind die politischen Wirren besorgnißerregend und weiß man nicht, wie sich die nächste Zukunft, namentlich für Kurhessen, gestalten wird._ In unserem Familienkreise gehet fortwährend noch alles den gewohnten Gang. Deiner guten Mutter nebst mir und Deinen Geschwistern geht es gut, wir erfreuen uns im Allgemeinen einer guten Gesundheit, auch mit [roman:] Linchen [/roman] geht es viel besser als früherhin, sie wird nächsten Sommer wieder in [roman:] Freudenthal [/roman] bei ihrer [?] Gretel [?] zubringen, was ihrer Gesundheit hoffentlich noch kräftigen wird. [roman:] Minna [/roman] ist recht groß u. stark geworden; auch [roman:] Therese [/roman] und [roman:] Adelheid [/roman], die nun allein noch die Schule besuchen, nehmen zu an Geist und Körper._ Mit der Gesundheit Deiner Tante [roman:] Louise [/roman] geht es jetzt auch ziemlich gut, sie befindet sich gegenwärtig bei einer Tante in [roman:] Merbach [/roman], wo sie einige Zeit zubringen wird._. Die Familie [roman:] Harnickell [/roman] in [roman:] Mehrungen [/roman] hat das Schicksaal wieder sehr fest heimgesucht, indem mein guter Onkel am 13. August v. J. in Bad Königshof, wo er zu genesen hoffte, zu einem besseren Leben abberufen wurde_. Seit dem Tode seines Sohnes [roman:] Wilhelm [/roman] war er stets leidend_. Der Staat verliert an ihm seinen tüchtigsten Forstmann_. [roman:] Minchen [/roman] ist durch diesen Trauerfall in eine recht traurige Lange versetzt, da sie nun so isolirt dasteht._ Sie hat alles verkauft um die Verbindlichkeiten ihres verstorbenen Vaters zu erfüllen, was ihr auch vollständigst gelungen ist und hält sich gegenwärtig bei ihrer Tante, der Witwe des zu [roman:] New York [/roman] verstorbenen Consuls [roman:] Faber [/roman] [underline:] dahier [/underline] auf_. [roman:] Albert [/roman] in [roman:] New York [/roman] soll es gut gehen, es beweist dies auch die Zusendung einer nicht unbeträchtlichen Unterstützung, die er seiner Schwester übermachte. [roman:] Curt [/roman] ist noch in Uebelngönne, wird aber seinen dasigen Aufenthalt bald verändern müssen, weil sein Prinzipal, der für [underline:] sehr reich galt [/underline], einen respectablen [?] Pankrott [/?] gemacht hat._ In [roman:] Helsa [/roman] gehts nicht sonderlich_, Tante ist schon längere Zeit leidend, [roman:] Wilhelm [/roman] ist noch der alte Tagedieb u. Vetter [roman:] Jacob Schneider [/roman] hat sich dem Branntwein so ergeben, daß er seinem Ende mit raschen Schritten entgegengeht._ [roman:] Lottchen [/roman] wird sich in Kürzern mit dem Hofjäger Schütte verehelichen_. In [roman:] Beberbeck [/roman] ist noch alles beim Alten, nun wurden daselbst vor einigen Tagen durch Explosion des Dampfkessels in der
Brauerei
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Brennerei mehrere Gebäude in Schutthaufen verwandelt, wobei mehrere Arbeiter ihren Tod fanden._ [roman:] H. Rhein [/roman] war vor Kurzem hier _ er macht sich in seiner prächt. OffiziersUniform ganz fein_, er besucht seine Eltern öfter u. befindet sich jetzt in [roman:] Berlin [/roman]._ Mit Deinem Project uns einmal zu besuchen, hast Du uns eine außerordentliche Freude gemacht, möchtest Du es auch zur Ausführung bringen_, wenn ich dann meine Pension nehmen, Hab und Gut verkaufen könnte und Dich mit Groß u. Klein in Deine Heimath folgen im Stande wäre, so würde dies für Deine Mutter und mich die höchste Lebensfreude sein, wenn wir im Kreise unser so früh von uns getrennten Kinder unsere Lebenstage beschließen könnten_. Es ist dies mein heiligster Wunsch und werde ich die Hoffnung zur Ausführung nie aufgeben! Hoffentlich mein lieber [roman:] H. [/roman] lebst Du mit Deiner [roman:] Marie [/roman] recht glücklich, Du schreibst darüber nichts_, wir nehmen es aber so an und wünschen es auch von Dir bestätigt zu hören._ Daß der kleine [roman:] Carl [/roman] sich hoffnungsvoll entwickelt, freut uns herzlich, nicht minder erfreulich ist es für uns, daß er an SchwiegerVater so attachirt ist und dieser mit Liebe an ihm hängt. Ich habe für [roman:] Carl [/roman] ein gutes kleines Gewehr -, was ich als Junge geführt habe und in dessen Besitz ich nach Onkels [roman:] H. [/roman] Ableben wieder gekommen bin-, [roman:] Carl [/roman] wird als junger Amerikaner bald in den Stand gesetzt sein, ein solches Gewehrchen führen zu können, wenn er es nur dort hätte._ Mit der Jagd hast Du nach Deinem Schreiben in vorigem Jahre wenig Glück gehabt, ich wünschte ich könnte Dir die Hirsche schießen helfen, ich glaube mein altes Jägerblut würde sich bald wieder erfrischen, außerdem bin ich - Gott sein Dank! noch recht rüstig und würde mich auch wohl noch an Strabatzen wieder gewöhnen_. Du schreibst, daß Dir die Hirsche das Korn abäßen-, ich glaubte, die Farms wären bei Euch eingefriedigt u. so vor Wildschäden besichert_. Das Wildpret hat bei uns so überhand genommen, daß die Hofjagdkasse allein für Wildschaden in der Kurfl. Leibhege in vorigem Jahre nahe an 10,000 rt. zahlen mußten_ wahrlich theures Wildpret._ Du wünschst Auskunft wegen des Briefportos_, ein einfacher Brief bis zu 1/2 Loth [underline:] nach den vereinigten Staaten [/underline] kostet hier,
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für 6 1/2 Sgr:, ist er aber schwerer, so verdoppelt sich das Porto. Für Briefe von Dir zahle ich 13 1/4 Sgr. Gib mir doch Nachricht, was Du für meine Briefe zahlst.
Deinen Brüdern von uns Allen die herzlichsten innigsten Grüße, möchte es ihnen und Euch recht wohl gehen _ ich bin in Gedanken stets bei Euch _ könnte ich es auch in Person sein. Haltet nur stets recht treu und fest zusammen, dann wird es Euch auch wohl gehen! Nun mein guter [roman:] Hermann [/roman] will ich zum Schluß nochmals meine herzliche Bitte wiederholen, daß Du nur recht bald über [roman:] Wilhelm [/roman] und [roman:] Carl [/roman] ausführlich Mittheilungen machst und uns die jetzigen dortigen Verhältnisse _ die uns so sehr beunruhigen offen darlegst. _ Deine in Deinem letzten Schreiben ausgesprochenen Ansichten kann ich nur vollkommen billigen, fahre fort stets offen und ehrlich zu handeln und Du wirst Dich stets zufrieden und glücklich fühlen._ Unser lieben Tochter [roman:] Marie [/roman] die herzlichsten Grüße und besten Wünsche für ihr Wohlergehen-, meinen kleinen [roman:] Carl [/roman] küsse herzlich in meinen Namen, möge er zur Freude seiner Eltern gedeihen. Nicht weniger den Schwiegervater herzliche Grüße und innigen Dank für alle Liebe die er dem Kleinen erzeugt.
Ein herzliches Lebewohl Euch Allen -! behüt Euch Gott.
Dein treuer Vater / [roman:] H. C. F. / [/roman]
Credé.
[underline *2:] Gedenke meiner Wünsche! [/underline *2]
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Auch ich mein lieber guter Hermann dank Dir für Deinen lieb Brief, o wenn Du wüßtest wie wir im in Sorge um Euch sind Du würdest noch mehr schreiben, ich weiß nicht was ich C. u. W. denken soll das Sie uns so gar ohn Nachrigt lassen Carl mach mir besonderst vie Sorge da Du schreibst Er sei [underline:] ziemlich [/underline] gesund da denke ich mir nun Er konte wohl gar für bestandich kränklich sein o schreib uns doch ja rech bald wie es Ihm geht und wie die dortige Verhältniße jetzt sind ich vergehe vor Angst das mein lieber kleine Carl schon laufe kann hat mich recht überrascht, so früh hatt keins von Euch laufen können, wenn der kleine Karl anfang zu sprächen so lehre Ihm doch unser aller Nahmen da mit Er auch uns so lieben lernt wie wir Ihn lieben. Lebe wohl mein lieb Herm, grüß u. küsse Mein liebe Tochter Marie. Der herzens Carl in mein lieb Vatter u. dank Ihm für die lieb welch Er In Carl erzeugt. D Clothilde
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