Collection: Johann Georg Holl Family Letters
Author: Johann Holl [?]
Recipient: Johann Georg Holl
Description: Letter to Johann Georg Holl, possibly from his father Johann Holl, May 22, 1870.
Original text
1870.05.22.Johann.Holl
Oberpreuschwitz, den 22. Mai 1870
Inigstgeliebter Sohn und Bruder!
Tiefgerührt im Herzen und brünstiger Liebe ergreifen wir die Feder Dir die erwartete Nachricht zu schicken. Es sind bereits drei Wochen verflossen daß wir Deinen Brief erhalten haben. Obwohl wir mit größter Bereitswilligkeit gesinnt waren Dich in der Ferne mit ein baar Zeilen aufzusuchen, war es aber nicht möglich, denn wir halten keine Nachricht von einer bleibenden Stelle. Erst am Montag den 16ten d. M. ist uns (der Nachricht von Johann Schmidt) der Ort deines Aufenhalts kund geworden; wir beeilen uns destomehr Dir mit einer Antwort zu entgegen. Mit größter Freude, daß du gesund an Land bist, haben wir deinen Brief empfangen war aber doch vielmehr mühe und für uns, wenn wir dachten deines Scheidens, auch wohl deiner krankheit auf der tiefer See, wie Du uns mittheilest, daß du dich noch einem Bett sehntest, welches manches fühlbare Herz sehr betrübte.
Geliebter Sohn und Bruder, wenn wir gedenken der letzten Tage, die Du bei uns zugebracht hast, wird wohl ein manches Herze betrübt und manches Auge mit Tränen befruchtet. Es erinnert uns aber an meisten der Tag das Abscheidens der 21 März, wo wir nur noch zum letzten mal einander die Hand reichen konnten.
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Es war ein wichtiger wohl ein unvergeßlicher Tag für uns, als wir im Bahnholf standen und Dich geliebten Sohn und Bruder von uns müßten scheiden sehen, wie Du verlassen hast die Heimath. Deine Eltern, Geschwister, Kameraden, Verwandten und Bekannten, wir manches fühlbare Herz Den weinenden Auge nicht wiederstehen konnte. Wie muß es auch für Dich gewesen sein. Solltest Du es vergessen können? Gewiß nicht. Hast Du nicht Beweise der Liebe zu Dir genung gehabt, ehe Du abgeschieden bist von Kommeraden, Verwandten, und bekannten, ; ja heute bist Du von den meisten noch nicht vergessen; denn die Ankunft deines Briefes war für viele eine Freude, daß Du doch glücklich auf deine Reise gewesen und jetzt wieder am Land bist. Am wenigsten wirst Du auch vergessen werden von unsere Nachbarn Linnhardt samt seine Familie, denen deine Nachricht (daß Du auch in der Ferne ihrer gedacht hast) manche Thränen verursachte. Unter vielen Grüßen wünschen wie Dir viel Glück und Gesundheit und daß Du sie in der Ferne nicht vergessen werdest und nicht aufhörest sie zu lieben, so wohl auch sie Dich nicht vergeseen und Dich desto mehr lieben werden.
Von unserer Heimath können wir Du nicht viel benachrichtigen. Am 8ten Mai sind auch mehrere ausgewandert und zwar: Simon Roß mit Frau und Kind,
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Joh. Georg Humel und Friedrich Wittenbeck, welche aber in Hamburg eingeschifft worden sind. Wir bezweifele auch ob ihr es wißt, wie es mit Joh. Georg Hübner den Gutman und Adam Körber gegangen ist. Sie sind nämlich mit zwei Englischen auf einen Kahn gefahren, welcher umstürtzte und blos ein Englisher und Adam Körber nach dem er halberfroren war gerettet wurde, jetzt abner wieder gesund worden und sich in Cumprland aufhält, welches keine gute Gegend sein soll.
Weitere Begebenheiten haben sich nicht zugetragen, wie es im Haushalten und mit der Arbeit steht weißt Du schon; dem es ist immer noch beim Alten. In den Brief des Johann Schmidt haben wir gesehen, daß Ihr in Arbeit getretten seit, aber nicht was sie ist, theile es uns Inßhalb in einer weiteren Nachricht mit. Thun uns auch zu wißen, wie es auf den Schiff mit den Kost und dem Bett beweßen ist, ob Du deinen Strohsack, Balzter und Kiß hast bruntzen können oder nicht, weil Du uns benachtrichtigt hast daß Du Dich einem Bett sehnest.
Laß es Dir keine Mühe sein uns mit eneim Briefe zu erfreuen und höre nicht auf die Deinigen zu lieben denn die Nachrichten von Euch haben uns sehr erfreut. Die Mutter, welches bis jetzt sehr
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bekümert war ist wieder etwas leichter, ein heller Sonnenschein hat das düsten Regenwetter vertrieben. Wir schlißen unser Schreiben unter vielen Grüßen an Dich von Deinen Eltern, Geschwistern, allen Komeraden, Verwandten und Bekannten, noch Herrn Lehrer Westenaber von Joh. Adam Hacker, der entschlossen ist das Amerika zu besuchen.
Euren Wohlthätere die Euch in die fremden und unbekannten Land so gut empfangen und versorgt haben grüßen wir herzlich und erstatten den inigsten Dank. Der liebe Gott wird es Ihnen mit seinen reichen Segen vergelten.
Wir hoffen daß Dich unster Schreiben bei bester Gesundheit antrifft, so gut als es uns verläßt.
Lebe wohl behalte lieb
Deine
Tiefliebenden Eltern und Geschwister
To Johann Georg Holl in America
Economi
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