Collection: Crede Family Papers
Author: Therese Crede (Winhold)
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter from Therese “Rosel” Crede (Winhold) to Hermann Crede, June 21, 1889.
Original text
Cassel den 21/6. 1889.
Mein inniggeliebter Hermann!
Recht herzlich danke ich Dir für Deinen liebe Brief vom März, mit Freuden habe ich daraus ersehen, daß Ihr Lieben noch Alle gesund seid. Schon seid Wochen bist Du mein Liebling, Abends mein Letzter & Morgens mein erster Gedanken, & nahm ich mir jeden Tag vor Dir zu schreiben, doch blieb es bei dem guten Vorsatz, ich bin so nervös geworden, daß ich gar nicht mehr werth bin. Sie mir nicht bös, mein liebstes Herz, daß ich Dich so lange auf einen Brief warten lasse, das nächste Mal schreibe ich Dir gleich wieder, ich will mich bessern. — [roman:] [underline:] Bei [/underline] [/roman]
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Bei uns ist Alles beim Alten, Papa geht es eine Zeit wie die Andere, er kann sich gar nicht mehr helfen, lesen kann er auch nicht lange & ist er oft recht ungeduldig & singt immer seine Klagelieder. Ich denke Gott wenn es so bleibt, es hat Papa schon viel schlechter gegangen, leider vergießt Papa das immer. Papa kann doch jetzt Morgens & Mittags vorn in den kleinen Garten gehn, er hat dort wennigsten frische Luft, freilig gehören die Promenaden nicht zu meiner Erholung, da sie mit sehr vielen Umständen verbunden sind. Knotenspiel ist Papa beste Unterhaltung & spielen wir jeden Abend wenn O. C. kann, Sonn & Festtage auch schon Mittags, [roman:] [underline:] na [/underline] [/roman]
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na, manchmal möchte ich auf & davon laufen, denn beide Herrn sind oft sehr liebenswürdig, vor allen Dingen Papa, ich wollte Du könntest manchmal hier sein, Du würdest Dich köstlich amüsieren. — Aus gehe ich fast nie, P. kann mich nicht entbehren, Besuche bekommen wir, außer O. C. fast nie, P. kann keine Besuche brauchen. W. L. & die lieben Tanten Liesen kommen auch wohl von Zeit zu Zeit mal. Im [roman:] Waltershausen [/roman] bin ich seid 2 Jahren einmal gewesen, gern ging ich manchmal hin, doch ist es, als wenn ich eine Reise nach [roman:] America [/roman] unternehmen wollte, deshalb bleibe ich lieber zu Hause.— Zu P. Geburtstag kommt Familie [roman:] Stark [/roman] 14 Tage [roman:] [underline:] hierher [/underline] [/roman]
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hierher, da wird es etwas Leben geben. — Mein Garten macht mir dies Jahr sehr wenig Freude, für 4 Ma habe ich Pflanzen gekauft, doch sind sie trotz der guten Behausung die sie bei mir haben ausgegangen. Die Kartoffeln & Bohnen stehn sehr schön, doch ob ich Freude an ihnen haben ist auch noch nicht unterschrieben. — Das Wetter ist bis dahin sehr schön nur oft zu heiß, der [roman:] Mai [/roman] war wie [roman:] August [/roman], alle Gärtner klagen daß bei der großen Hitze nichts wächst, es ist alles recht theuer geworden, die Butter kostet 1 M. 50 P. 20 St. für 1 M. 20. u. s. w. da kann man auf einen grünen Zweig kommen. Der Regen war sehr nöthig doch darf es heute nicht [underline:] regnen [/underline]
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regnen, weil das liebe Onkelchen Heu macht. Wir haben jetzt hier eine große Ausstellung für Jagd, Fischerei & Sport, es sollen sehr schöne Gebäude in der Orangerie in der Aue aufgerichtet sein & soll wunderbar schön sein. Es wären sehr viel Freunde hier, sogar Engländer & Americaner, es kommen auch viele Fürstlichkeiten hierher, vorige Woche war der Schah von Persien 4 Tage da & ist im [roman:] Paleis [/roman] als Gast unseres Kaisers abgestiegen. [roman:] Ada [/roman] mußte ihn durchaus sehn doch kam sie sehr entdeuscht wieder, von den vielen Deamaten mit denen er überseht sein sollte, hatte sie nichts gesehen. Auch war eine Hunde-Ausstellung hier & ist [roman:] Ada [/roman] mit dem guten [roman:] O. C. [/roman] dort gewesen, davon war sie ganz entzückt.
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Von ganzen Herzen wünsche ich Du könntest auch kommen, ach, liebstes Herzens Mätzchen was war es doch so schön wie Du hier warst, es war die schönste Zeit meines Lebens. Ach und wie schrecklich anderst ist es in den Jahren geworden, den 15 Julÿ ist unsere gute Mama schon ein ganzes Jahr todt, vergesse den Tag nicht. — Für das reizende kleine Wesen danke ich Dir recht herzlich, wir alle haben uns sehr darüber gefreut, ich mußte das Bild Ada schenken sie ließ mir keine Ruhe. Anna ist wohl jetzt mit den Kindern bei Euch, & habt Ihr gewiß viel Freude an den Kleinen.
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Bitte mein liebstes Herzchen, schreibe mir von Allen recht viel, wie es all den großen & kleinen Kindern geht. — [roman:] Papa [/roman] läßt Dich und Deine liebe Familie groß & klein herzlich grüßen & fragt an ob der Weg durch den Felsen fertig geworden sei? [roman:] O. C. [/roman] und [roman:] Ada [/roman] grüßen Euch auch viel tausendmal, bitte grüße mir Deine liebe [roman:] Elisabeth [/roman] & die Jungen [insertion:] [underline:] Herrn [/underline] [/insertion] recht herzlich, doch tausend mal tausend grüßt & küßt Dich Deine Dich herzlich liebende Rösel. Schreib mir recht [underline:] recht, recht [/underline] bald wieder!!!!
Letter metadata







