Collection: Crede Family Papers
Author:
Recipient: Hermann Carl Crede
Description: Letter to Hermann Crede, June 14, 1856, from his family members. The first part of the letter was written by his father, Heinrich Carl Crede; the second part by his mother, Clothilde Crede; and the third part by his sister, Angeline Crede. At the bottom of the page Hermann's three other sisters, Therese, Adelheid, and Wilhelmine, all signed their names.
Original text
[roman:] Cassel, [/roman] am 14ten [roman:] Juni 1856. [/roman]
Mein lieber [roman:] Hermann! [/roman] Dein letztes Schreiben vom 31t. [roman:] Jannar[/roman] d. J. haben wir am [roman:] 13tn. März [/roman] erhalten und würde ich solches alsbald erwiedert haben, wenn Du am Schlusse desselben uns nicht die Aussicht gestellt hättest, daß Deine gute Großmutter in den nächsten Tagen an uns schreiben würde —, dieses Schreiben erwarten wir aber noch bis heute; ebenso ist uns auch weder von Wilhelm noch von Carl eine Mittheilung geworden, weshalb ich denn die Beantwortung Deines Briefes nicht länger hinausschieben kann. Wirklich weiß ich nicht was ich von den beiden Jungens, denken soll — , namentlich muß es mich sehr wundern, daß [roman:] Carl [/roman]_ der doch recht wohl weiß, wie sehr wir Nachrichten von Euch ersehnen —, nichts von sich hören lässet und uns nicht einmal über seine neue Lage Nachricht gibt._ Ich will hoffen und wünschen, daß er das gewählte Geschäft — welches freilich ein saures ist — mit der erforderlichen Energie durchsetzt — oder, wenn er sich nicht für tüchtig dazu hält, sofort etwas Anderes ergreift und nur Alles in der Welt nicht in ein Bummeln geräthet, was zum Verderben führt. _ Es gereicht uns zu einiger Beruhigung, daß er _ wie wir wohl erwarten dürfen _ eine Stütze an [roman:] August Versen [/roman] haben wird. _ Da er nun während [underline:] der Lehrzeit [/underline], neben freier Station, auch schon Geld verdient, ihm ebenwohl von seinem Reisegeld ein Ueberschuß verblieben ist, so wird er sich seine nöthigen Kleider und Wünsche recht gut anschaffen und noch etwas ersparen können._ Schreibe [underline:] alsbald [/underline] nach Empfang dieses an Carl: daß ich mit Bestimmtheit [underline:] in aller Kürze [/underline] ausführliche Nachricht über [underline:] alle [/underline] seine dortigen Verhältnisse erwarte und schreibe Du mir umgehend, was Dir von seiner gegenwärtigen Lage bekannt ist —, ich setze voraus, daß Ihr Euch öfters schreibt. — Wie weit ist [roman:] Marienetosh [/roman], wo [roman:] Carl [/roman] wohnt, von Euch — u. wie weit von [roman:] S. Louis [/roman]? Hast Du C. dort schon besucht?_ Ist dies noch nicht geschehen, [strikethrough:] so [/strikethrough] u. gestatten es Deine Verhältnisse, so würde es mir eine Beruhigung sein, wenn Du Dich an Ort und Stelle von der Lage Carl's überzeugtest u. mir darüber genaue Mittheilung machtest. — Daß Du mit W. seither nicht so gestanden, wie ich — besonders rücksichtlich Eurer Lage — hätte erwarten sollen, hat mich tief betrübt u. gebe ich mich der Hoffnung hin, daß ein solches Verhältniß bei Euch dauernd eintreten wird, wie es Brüdern ziemt — [underline:] Alle für Einen u. Einer für Alle [/underline] —! Bedenket, daß von Eurem treuen u. festen Zusammenhalten und gemeinschaftlichem ernstem Wirken Eure Zukunft abhängig ist und großentheils unsere Uebersiedelung bestimmt wird —; Einigkeit macht stark u. fester Wille führt zum Ziel. — Du hast mir den Ort, wo [roman:] W. [/roman] zur Zeit Deines Schreibens beschäftigt war, nicht genannt, vielleicht ist er jetzt schon anderswo —, was Dir von ihm bekannt, wirst Du mir baldigst mittheilen, ihn selbst aber schreiben, wie sehr mich sein Stillschweigen befremden müsse und daß ich unmöglich annehmen kann, daß ihm Eltern u. Geschwister in wenigen Jahren so gleichgültig geworden seien u. ich einer, baldigen Rechtfertigung von ihm entgegensehe. — Nicht einmal nach Zurückkunft von seiner Reise nach [roman:] Texas [/roman] hat er uns geschrieben, während wir um seinetwillen so sehr in Sorge waren._ Unsere
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Unsere hiesigen Verhältnisse haben sich seit meinem letzten Schreiben nach keiner Richtung hin besser gestaltet, auch scheint eine Verbesserung noch sehr fern zu sein. Der Stand der Feldfrüchte läßt eine gute Ernte erwarten, indeß ist alles noch fortwährend sehr theuer. Wir haben seither viel Regen gehabt u. haben die häufigen Gewitter hin und wieder Schaden gethan; in den Gärten siehts bis jetzt noch nüchtern aus. _ Seit Ende v. J. bin ich nothgedrungen auch Grundbesitzer geworden, ich habe nemlich der Hausgarten und 2½ Acker Land in Helsa, worauf ich ein Capital [insertion:] ders [/insertion] geliehen hatte _ was, mit Zinsen 500r rt. betrug _ um nicht Alles zu verlieren, selbst kaufen müssen, womit ich kein gutes Geschäft gemacht habe, da keine Aussicht vorhanden ist, solches wieder an Mann zu bringen und ich zudem noch Geld verbauen muß. Ich habe alles verpachtet und erhalte 25⅓ rt. Pacht, wovon ich aber auch noch circa 5rt. Abgaben zu bestreiten habe_. Helsa ist seit Anlage der Eisenbahn gänzlich verarmt. Im Kreise unserer Verwandten u. Bekannten hat sich _ außer daß Aurel Rhein sich mit Fräulein Ruhe verheiratete — sich nichts erhebliches zugetragen_. Dein arme Großmutter in [roman:] Kaufungen [/roman] ist noch fortwährend so leidend, daß sie mit wahrer Sehnsucht ihrer Auflösung entgegensieht. Sie äußerte neulich, daß sie sich sehr freuen würde von Dir mal einige Zeilen zu erhalten; wenn Du mir schreibst, so lege ein Billetchen ein, vielleicht trifft solches sie noch am Leben_. Der gesellige Verkehr bei Euch, ist wie ich mir solchen wohl gedacht habe, indeß glaubte ich wohl, daß Du irgend einen ordentlichen jungen Mann wohl gefunden haben würdest, dem Du Dich hättest näher anschließen können. Es thut mir doppelt leid, daß Du in Deinen jungen Jahren schon so alleine stehst, denn einestheils braucht der Mensch gesellige Unterhaltung zu seiner Erholung, anderntheils aber auch zu seiner Fortbildung._ Jagd u. Fischfang scheinst Du wenig zu exerziren —, es bleibt Dir wohl wenig Zeit dazu, oder findest Du kein Vergnügen daran?_ Mit vieler Freude habe ich aus Deinem Schreiben ersehen, daß sich Deine liebe Großmutter noch einer ziemlich guten Gesundheit erfreut, der Himmel möge sie noch lange erhalten u. darf ich hoffen, daß Du alles thun wirst, dieser hart Geprüften das Leben möglichst zu erheitern, wogegen ich auch überzeugt zu sein glaube, daß sie mütterlich für Dich sorgen wird. _ Deine ökonomischen Arbeiten werden Dir zum Betrieb Deines Geschäfts wohl wenig Zeit übrig lassen, indeß hoffe ich, daß dies nicht zu Deinem Nachtheil sein wird, Du wirst auch als Farmer Dein Brod verdienen u. als solcher Dir eine künftige Existenz zu gründen im Stande sein. —
[roman:] Albert [/roman] in [roman:] New York [/roman] geht es gut, speziell hat er mir über seine Verhältnisse nicht geschrieben_ er hat aber neulich seinen Vater A. Mechtel von seinem Verdienste Gelder überschickt, danach muß es ihm wenigstens in finanzieller Beziehung nicht fehlen. _ Sollten unsere Briefe [underline:] direct [/underline] nicht sch[illegible] u. ebenso sicher als durch die Vermittelung [roman:] Alberts [/roman] eppedirt werden? bedarf ich einer genaueren Adresse als der bisherigen, so theile mir solche mit,_ Schließlich lieber [roman:] Hermann [/roman] bitte ich Dich herzlich uns umgehend zu schreiben, namentlich über [roman:] W u. C'. [/roman] Verhältnisse speziell._ Deinen Großeltern herzliche Grüße Dein tr. Vatter Crede
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Mein Lieber guter Hermann! Recht herzlichen Dank für den lieben Brief er hat mir viel Freude aber auch viel Kumm gemacht, Freud da ich doch sehe das Du mir noch recht lieb hast u wir Dir nicht gleigültig sind, was ich von Wilhl. u. Carl denken so weis ich nicht, entwede haben sie uns vergesse oder es geht Ihnen so schlecht das sie den Muth zu schreiben nicht haben beides würde mich zur Verzweiflung bring schon der blose Gedan verwird mir die Sinne von vielen Weinen um Euch sind mein Auge ganz schwach u. mein Angst verspird. Es scheind Dir mein lieber Herm auch dort gar nicht gut zu gefalle doch ich bitte Dich habe gedult und stehe mir arm Mutter mit liebe bei es wird Dir der lieb Gott helfen wie er mir M[illegible] auch richt kann, Du jamm mich das Du den Jugent so verkürzen sollt ich hoffe im wir [strikethrough:] wird Du [/strikethrough] [insertion:] wir wer [/insertion] dort hin kom so würden wir Dich Endschäd können aber auch diese Hoffnung scheind nich zu wahrheit zu werden, den Du scheinest auch auf geben zu haben da Du nichts dafon schreibst O Verst rathet uns ganz ob Ihr glaubt es were besser wenn wir hier bliebe aber diese Gedanke kann ich nicht fassen. O lieb Hermann schreib [strikethrough:] recht [/strikethrough] [insertion] recht [/insertion] bald u. gut wieder ist doch [illegible] Freude welche ich habe etwas gutes von Euch zu hören schreib mir auch reichlig [illegible] nicht geweit nach Amerika gegangen zu sein? u. ob Du Hoffnung hast das es [illegible] wird? Hier in Kassel geht es auch recht schlecht es ist alles sehr theuer [illegible] Haushalt so klein ist, aber so viel als wir Ihr auch z jetz woh [illegible]. hat sich aus kummüber den [illegible 2 words] ist [illegible] Harnikell ist auch vor 4 Wochen nach N York abgefahren [illegible] von hier [illegible 2 words] schreiben. Lebe wohl mein lieb Hermann grüß [illegible 2 words] Großmut von mir aufs herzlichst ich kan jetzt nicht an Sie schreib mein Herz ist zu betrübt Lebe nochmals recht wohl u. schreib gleich [insertion:] rechtzeit. [/insertion] wiede daß ist der einzig wunsch Dein Dich liebnd. Mutter Clothilde
Schreib auch an Wilhelm u Carl u sage Ihnen wie Unglück Sie mich durch Ihr [illegible]schweig machen.
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Lieber Hermann!
Wir sind Gottlob noch recht gesund, wie geht es [illegible] Euch seid ihr auch noch immer gesund, wie geht es den lieben Großeltern hoffentlich sind sie auch noch Gesund. Viele Grüße an Wilhelm und Ka [strikethrough:] l [/strikethrough] rl grüße auch die Großeltern recht herzlich von Deiner Angeline
Wilhelmine Crede Therese Crede
Adelheid
Letter metadata



