Collection: Crede Family Papers
Author: Heinrich Carl Crede
Recipient:
Description: Letter from Heinrich Carl Crede to his sons Hermann and Wilhelm Crede, May 9, 1855.
Original text
Cassel 9t. Mai 1855.
Meine lieben Söhne!
Obgleich ich annehmen darf, daß mein Schreiben vom 27. März d. J., womit ich Euch die am 1t April c. statt haben sollende Abreise Carls mit dem Schiff e [roman:] "Fides" Capt. Rose [/roman] von Bremen, mittheilte zu Euren Händen gelangt ist, so wie weiter, daß [roman:] Albert Harnickell [/roman] in [roman:] New York [/roman] meinem Ersuchen [roman:] d. d. Bremen [/roman] d 1. April c. entsprochen und Euch bekannt gemacht hat, daß für [roman:] Carl [/roman] ein anderes Schiff [roman:] "Auguste" — Capt. Lüdering [/roman] —, bestimmt wurde, so will ich doch die Gelegenheit, wo Eurer Freund [roman:] Fritz Diedrich [/roman] von hier nach [roman:] NewYork [/roman] reißte nicht unbenutzt lassen und Euch einige Worte schreiben. Den 29 t. [roman:] März [/roman] c. reiste ich mit [roman:] Carl [/roman] nach [roman:] Bremen [/roman], wo wir eine recht gute Aufnahme fanden und habe ich mich bis zum 3t. April dort aufgehalten, an welchem Tage C. nach dem Hafen und ich nach [roman:] Cassel [/roman] abreiste. [roman:] Carl [/roman] hat uns aus dem Hafen noch zweimal geschrieben und uns zuletzt angezeigt, daß das Schiff erst am [roman:] 14. April [/roman] in See gegangen ist —. Gibt ihm nun der Himmel eine so glückliche Reise wie Euch, so wird er wohl Ende Juni c. bei Euch eintreffen. Unsere Besorgniß für ihn ist groß. Nicht minder aber leben wir nun schon seit längerer Zeit in Angst und Sorge um Euch, da wir ganz unbegreiflicher Weise noch immer Euren Brief vom 2t Juni v. J. als den letzten welchen wir von Euch erhielten, bezeichnen müssen. Es ist nun bald ein Jahr verlaufen, ohne Nachricht von Euch — unsere Sorge, daß Euch irgend ein Unglück betroffen, hat den höchsten Punkt erreicht. [roman:] Albert [/roman] in [roman:] NewYork [roman] hat mehrmals nach Hause geschrieben, aber in seinen letzten Briefen Eurer nicht erwähnt — auch bin ich auf meine Briefe an ihn ohne Nachricht geblieben —, correspondirt Ihr nicht mehr zusammen? Wie sehr haben wir alle gewünscht, [roman:] Carl [/roman] begleiten zu können —. Gestatten die Verhältnisse unsere Uebersiedelung, worüber ich mich in meinem Schreiben vom [roman:] 10t. August v. J. [/roman] ausgesprochen, so hoffe ich, daß wir nicht sehr lange mehr hier verweilen werden.
Gegen-
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Gegenwärtig bin ich schon darauf bedacht, mein kleines Vermögen so zu stellen, daß ich es zur Zeit ohne besondere Schwierigkeiten und Verluste flüssig machen kann. Eure gute Großmutter in [roman:] [?] Kitz. [/?] [/roman] ist noch immer so sehr leidend und ist es im höchsten Grade zu verwundern, daß ihre Auflösung, die sie so sehnlichst wünscht, nicht bereits vorlängst erfolgt ist. — Wir sind gesund — die kleinen Mädchen wachsen freudig heran — auch geht es uns — die Sorge um Euch abgerechnet — sonst wohl, trotz der enormen Theurung, die noch mit jedem Tage mehr um sich greift, da die diesjährigen ErnteAussichten im Allgemeinen als sehr ungünstig geschildert werden. — Gott mag wissen, was das am Ende noch werden soll; man hat jetzt bereits hier, gleich in England, nur arme u. reiche, der Mittelstand verschwindet. — Vor Kurzem haben wir unsere Wohnung verändert und sind in [roman:] Zahns [/roman] Mittelhaus in den Garten gezogen, wo wir nicht nur billiger, sondern auch weit angenehmer u. gesünder wohnen. [roman:] Carl [/roman] hofft bei [roman:] Bernhardi [/roman] Kinder in [roman:] St. Louis [/roman] Nachricht von Euch vorzufinden, womit Ihr ihm seine weitere Reise [roman:] route [/roman] bestimmt. Meinen Brief vom [roman:] 22. Februar v. J. [/roman] nebst einem kleinen Kästchen den ich [roman:] Bernhard [/roman] mitgab — u. welchen er eingegangener Nachricht zufolge in [roman:] St. Louis [/roman] für Euch zur Post gegeben, werdet Ihr doch wohl erhalten haben? Da [roman:] Dietrich [/roman] in nächster Stunde schon von hier abgeht, so schließe ich meinen Brief in der sicheren Erwartung, [underline:] recht bald [/underline] ausführlich Nachricht von Euch über Alles zu erhalten, worüber wir in unseren letzten Briefen Auskunft zu haben wünschen —. Euren Bruder [roman:] Carl [/roman] werdet Ihr ohne Zweifel mit der herzlichsten Freude empfangen u. mit ihm recht einig u. zufriedn leben. Euren guten Großeltern nebst Euch u. [roman:] Madame Huber [/roman] von uns allen die herzlichsten Grüße. Lebt recht wohl, schreibt umgehend
und
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und oft und stellt damit unsere Ruhe her. — So Gott will sehen wir uns bald wieder um uns nicht wieder zu trennen.
Mit herzlicher Liebe
Euer treuer Vater
Crede.
Die Mutter würde Euch einige Worte geschrieben haben, allein sie ist mit großer Wasche begriffen u. konnte nicht dazu kommen. —
[roman:] Heinrich Hopf [/roman] liegt am Nervenfieber hoffnungslos darnieder — sein Bruder [roman:] Carl [/roman] ist in Hanau in einem Kaufmannsgeschäft.
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[roman:] [underline:] Via f. St. Louis ɞ. Jefferson Cyty. [/underline]
Mr. Hermann [underline:] Credé [/underline] 1855
Care of Mr John [underline:] Clasen [/underline]
[underline:] Westphalien Settlement [/underline]
[underline*2:] Osage County [/underline*2]
Lisle P. O.
State of Missouri, united states of
[underline:] North America. [/underline] [/roman]
Letter metadata




