Author: Ludwig Hitschler
Recipient:
Description: Letter from Ludwig Hitschler to his brother-in-law and sister Johannes and Maria Dietz, March 31, 1852.
Original text
Schaafheim den 31ten März 1852.
Treue Liebe Treue Liebe Treue Liebe bis ans Grab auch meine Treue Geschwiester Liebe läßt nicht zu daß ich versäume Dier zu antworten Liebe Schwester, ich schreibe zwar nicht an Dich allein sondern auch an Dich Lieber Schwacher [footnote: Schwager] Johannes. Was mich ihm vorichen [footnote: vorigen] Herbste dazu verleitet hat meine Lieben Freunde zu [?] Euch [/?] zu kommen nach Americka das koennt ihr schon in der Biebel lesen Jesus Sierach das 25 und 26te Kapittel da koennt ihr lesen wie weit ein boeses Weib ihren Mann bringen kann aber auch was ein Gutes Weib werth ist. Wer Gott vertraut der hat auf keinen Sand gebaut. auch lesen wr schon in der Biebel daß unser Stammvater Abrahamm Gott geglaubet hat und ist ihm gar zur Gerechtigkeit gerechnet wurden so will ich dann auch [?] ausharren [/?] so lange es Gottes willen ist. Ich gedenke zwar doch noch zu Euch zu kommen wenn es auch dieses Jahr nicht geschieht so soll es doch künftiges Jahr geschehen wenn Gott will mit diesen Mädchen wartet er auch noch sie wollen zwar ihren Dienst erst aus halten Der Heinrich Schäfer giebt sie nicht gerne her der macht sie noch [?]reuwendisch [/?] sie koennt ihr Geld nicht mehr bekommen sie hat zwar ausgesucht sie wollte der Anna Geld geben sie will erst wieder einen Brief von ihrer Schwester haben
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Noch will ich Euch schreiben meine Lieben daß wir ihm vorigen Jahr eine schlechte Kartoffel Ernte hatten ich habe von 6 viertel 1 l Kümmel [footnote: 1 Liter Schnaps] bekommen wir hatten schlechte Witterung jeden Tag Regen daß wir beinah unsere Arbeit nicht verrichten haben koennen auch unsere andern Früchte haben die Güt nicht gehabt wie sonnst
auch das viehvutter daß dieses Frühjahr unser vieh vor mattigkeit im Felde liegen ist geblieben und auch etliches Krepiert vor hunger auch dieses Frühjahr ist das vutter zu lange ausgeblieben aber zeit [footnote = seit] 4 Wochen haben wir gantze gute Witterrung und alles hat sich empor geschwungen so hoffen wir wenn Gott uns schützt ein Fruchtbar' Jahr.
Noch will ich auch schreiben meine Lieben Freunde daß alle unsere Geschwiester und Freunde noch bey leben sind auf jeder Seite und haben sich alle hertzlich gefreut über diese neuigkeit ich habe alle grüße
ausgerichtet Dein Nachtbar Georg Roth und sein Bruder haben sich auch hertzlich gefreut Deine Mutter Lieber Schwager ihre erste antwort war es jammert mich nicht vor Leid sondern vor Freude
weil es ihm gantzen Dorf gesprochen ist worden Du wärst nicht mehr in Americka sondern schon lange wärst Du in Frankfurt bey Deinem Bruder wie es bey uns zugeht wist ihr ja wie wir arbeiten wißt ihr und was wir Eeßen wist ihr auch
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Lieben Freunde ich habe mich ganz [footnote: through this and three more lines there is a tear, making parts of words disappear, so this and the following are just a guess within the context] hertzlich gefreut über diese Nachricht die ihr mir geschrieben habt ich habe [see footnote above] die ganze zeit leid getragen vor Dich
Liebe Schwester weil es Dir [see footnote above, maybe 'in'] deinem ersten Brief nicht gefallen
hat ich dachte immer ich hätte viel [see footnote above] schuld daß Du in das gelobte Land gereißt bist ich habe diesen letzten Brief vor meinen Mittageßen erhalten ich wollte ihn nicht lesen bis ich gegeßen
hatte ich dachte es wird nichts guts darein stehen wie ich ihn aber gelesen habe mußte ich vor Freude Weinen ich koennte Euch noch viel schreiben aber sie sprachen was wird er alle schreiben schreibe jetzt vor Weinnachte nicht mehr an mich wenn Euch weiter
nichts [?] basiert [/?] sie wollen wohl alle wiessen was ihr schreibt aber vom bezahlen wollen sie nichts wissen auser unsere Dorethea gibt ihr Theil es verdrüßt mich aber doch nicht das müßt ihr schon in
meinen ersten worten sehen die ich schreibe Lebet Gesund zufrieden Friede sey mit Euch spricht unser Heiland viele Hertzliche grüße von uns allen Euren Brief habe ich den 15' März schon bekommen
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[roman:]
via Bremen
Herrn
Johannes Dietz
in
New-York
zwischen [?]Eleani[?] und B.
11 Strit 234
[underline:] Nord-America [/underline] [/roman]
Letter metadata




