Collection: Raster Family Letters
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Description: Letter from Anna Oppenheim and Adolph Oppenheim to Margarethe Raster and Hermann Raster, January 23, 1884.
Original text
Du glaubst gar nicht, mein Herzensgrethchen, wie sehr mich Dein Unwohlsein betrübt und bekümmert; ich glaubte Euch Alle in bester Gesundheit, bis vorgestern ein Brief von Raster mir die Nachricht brachte, daß Du das Bett hüten müßtest, es wäre zwar durchaus ungefährlich, wol nur eine Folge der Weihnachtsfreuden und würde bald wieder gehoben sein; gestern kam nun noch ein Brief + da erfuhr ich den wahren Sach=verhalt. Wie aber, mein geliebtes Kind, kannst Du nur so sehr unvorsichtig sein?! Du schriebest mir neulich, Du habest vor Weihnachten so sehr viel Logirbesuch gehabt, daß Du froh warst, als Du sie glücklich wieder nach dem Bahnhofe begleitet hattest. Solche fremden Logirgäste bringen für die Hausfrau nur Anstrengung und Aufregung; ich sollte doch meinen Dein Zustand hätte Dich selbst bei Deinen intimsten Freunden entschuldigt, wenn Du sie nicht bei Dir aufgenommen hättest und dann kamen die Vorbereitungen zu Weihnachten, wobei die Hauptlast doch immer der Hausfrau zufällt, das hättest
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Du diesmal Raster, der es doch sehr gut versteht und der zu=verlässigen Frau Hansen überlassen sollen, Deine Hauptpflicht war jetzt, Dich ruhig zu verhalten und zu schonen. Ich will nur wünschen, mein geliebtes Kind, daß bei der guten Pflege, die Du hast, Du Alles recht bald überwinden mögest, dann aber - Ruhe, mein Herz, laß ja den Carneval stille vorüber gehen und mache weder Maskenbälle, noch sonstige Scherze mit. Nach meiner Ansicht brauchst Du kein anderes Ver=gnügen, als des Abends in Deinem schönen, behaglichen Hause mit Mann und Kindern zu sitzen und Dich mit ihnen zu unterhalten, dann, wie jede solide Bürgersfrau thun soll, um zehn Uhr zu Bett zu gehen und Dich tüchtig auszuschlafen, dann wirst Du sicher bald wieder frisch und gesund und mein altes, heiteres Gretchen sein. Wenn ich nur erst wieder so glücklich wäre, einige Zeilen von Deiner lieben Hand zu erhalten, dann will ich wieder froh sein, denn jetzt, mein geliebtes Kind, bin ich Deinetwegen, da ich weiß, wie leichtsinnig Du mit Deiner Gesundheit um=
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gehst, in großer Angst und Sorge. Du schriebest mir neulich, Eddy würde über seine 81er Reise einen Vortrag halten. Sicher hat er doch damit sehr gut bestanden; jedenfalls hat er den Vortrag doch vorher ausgearbeitet. Du würdest mich sehr erfreuen, wenn Du uns diese Arbeit einmal herschicken wolltest, selbstverständlich sende ich sie, sobald ich sie gelesen, wieder zurück. Jetzt, mein Herzensgrethchen, lebe wohl, pflege + schone Dich recht und nimm viele Grüße + Küsse von Deiner treuen Mutter Anna Dessau 23/1. 84.
Ich habe noch vergessen, Dir mitzutheilen, daß die Familie Kitzing Sylvester wieder in Hamburg eingerückt ist. Karl war vor acht Tagen hier + sagte, daß er in einigen Tagen zurückreisen würde, Grete bleibt noch bis März + Fritz überhaupt in Hamburg, da er dort die Schule besuchen soll. Wie dies Alles noch wird, werden wir ja sehen.
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Herzliche Grüße mein Liebes Gretchen. Hoffentlich bist Du nun wieder wohlauf und ganz munter. Sie nur ja darauf bedacht, Dich zu schönen, damit Deine Wiederherstellung eine vollkommene werde. Dein treuer Onkel Adolph
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Die Mutter wollte heute auch noch an Deinen Mann schreiben, doch wird sie, da dies sie anstrengen möchte, es noch bis morgen aufschieben, wo ich dann einige Zeilen #
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# hinzufügen möchte könnte. Einstweilen herzlichste Grüße von Anna und mir Dir lieber Raster. A.
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Letter metadata




